Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg

Dass dieses Buch es bei mir schwer haben würde war klar: Ein Komiker schreibt ein Buch über eine Pilgerreise, tritt damit eine deutschlandweite Jakobsweg-Welle los (wie zuvor Shirley McLane für England und Paulo Coelho für den portugiesischen Sprachraum) und verdient sich durch Talkshows tingelnd eine rotgoldene Nase damit. Durch einen glücklichen Zufall fiel mir eine schöne gebundene Ausgabe zu und ich habe mir – 10 Jahre nach dem Boom – die in leicht verdaulichen Happen verpackte Lektüre in den letzten zwei Wochen angetan.

Was man dem Buch sicherlich zugute halten muss: es kommt durch und durch authentisch rüber. Der Leser erfährt viel über die Ansichten des sonst eher schrill auftretenden Comedians und auch einiges über seine Lebensgeschichte. Das alles allerdings verpackt in eine unglaubliche Ansammlung von Banalitäten und Belanglosigkeiten gepaart mit ein paar aus den Fingern gesaugten spirituell klingenden Vokabeln. Man soll sich natürlich nicht über die Gefühlswelt und die Glaubenswelt anderer echauffieren – allerdings hat es schon etwas bizarres, wenn auf dem Jakobsweg pilgernd die Vorzüge des Buddhismus breit getreten, von der Teilnahme an einem Reinkarnationsseminar erzählt und am Schluß zu resümieren:

„Und wenn ich es Revue passieren lasse, hat Gott mich auf dem Weg andauernd in die Luft geworfen und wieder aufgefangen. Wir sind uns jeden Tag begegnet.“

Dazwischen geht’s um nervige und freundliche Mitpilgerinnen, den Gestank nach Kuhdung und die Aussicht auf dem Weg. Klingt komisch und ist es auch. Auch stilistisch wurde zwischen den persönlichen Aufzeichnungen (wo alles erlaubt ist) und der Veröffentlichung anscheinend nicht viel Hand angelegt.

Ich kann den Boom um das Buch überhaupt nicht nachvollziehen. Als persönliches Reisedokument sicher eine schöne Erinnerung für Hape – als Quelle spiritueller Inspiration eine absolute Nullnummer.

„Ich bin dann mal weg“ gibt es als Taschenbuch, Gebundene Ausgabe und als Hörbuch.

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