Moviekritik zu „In Time – Deine Zeit läuft ab“

Es gibt Filme die leben von den Schauspielern, es gibt Filme die leben von den Spezialeffekten und es gibt Filme, es gibt Filme die von einer guten Dramaturgie leben und es gibt Filme, die ihre Daseinsberechtigung aus einer guten Filmidee ziehen – auch wenn das Drehbuch dieser dann nicht immer gerecht wird. Um so eine gute Idee (und leider auch um ein eher mangelhaftes Script) geht es in „In Time“, einem erfreulich wenig actionlastigen Science Fiction Film mit der Grundannahme, dass alle Menschen genetisch so verändert sind, dass sie nur bis zum Alter von 25 Jahren altern. Glücklicherweise kann man sein Leben danach (unter Beibehaltung aller physischen Merkmale) beliebig verlängern, wenn … ja wenn man „Zeit“ hat. Lebenszeit eben. Und das ist die neue und einzige Währung in diesem Film (neben Ohrringen, aber das ist eine andere Geschichte). Jeder Mensch hat eine grün leuchtende animierte Digitaluhr im rechten Arm, die für jedermann sichtbar die aktuell noch verfügbare Lebenszeit anzeigt. Durch direkten Kontakt oder seltsame Metallspeicher kann Lebenszeit ausgetauscht werden. Jede Busfahrt und jeder Gegenstand kostet entsprechend Lebenszeit – und die Preise steigen gerne mal an.

Insgesamt also sowohl ein Gleichnis für den Kapitalismus, als auch eine philosophische Betrachtung über den Umgang mit unserem Leben. Denn – ganz ehrlich – läuft es nicht bereits jetzt an vielen Stellen darauf hinaus, dass man z. B. seine Aufmerksamkeit und Lebenszeit an seinen Arbeitgeber verkauft um für das im Gegenzug erhaltene Geld dann Dinge zu kaufen? Nicht immer wird es uns im Leben so bewusst, wie im Film wo für eine Busfahrt eben mal „2 Stunden“ Lebenszeit fällig werden. Als Freiberufler kennt man es aber schon, dass man sich z. B. eine Jacke dann wird leisten können, wenn man noch X Stunden an einem (im besten Fall spannenden, im schlechtesten Fall nervigen) Kundenprojekt gearbeitet hat, weil man seinen „Stundenlohn“ kennt.

Und wer viele Dinge kaufen will, muss entweder besonders viel Zeit investieren oder besonders unangenehme Dinge tun. (Na ja, manchmal auch nur nicht nach den Regeln spielen und sich nicht erwischen lassen, wie der aktuelle Fall Höneß zeigt). Und ja, es gibt auch in „In Time“ unterschiedliche Klassen. Diese werden in verschiedenen Zeitzonen (vom Nobelviertel bis zur Fabrikarbeitersiedlung. Und die Übergänge dazwischen gehen richtig an die Lebenszeit. Hier wiederum habe ich mich sehr an unsere gar nicht so eine Welt und die „Festung Europa“ erinnert gefühlt. Gar kein so schönes Gefühl, wenn einem diese Ungerechtigkeit so vor Augen gemalt wird.

Andrew Niccol ist mit „In Time“ eine inhaltlich beeindruckende Studie zum Thema Kapitalismus gelungen. Weniger überzeugend sind die schauspielerischen Leistungen von Justin Timberlake und Amanda Seyfried, was aber nicht weiter überraschen dürfte. Manche Ungereimtheiten in der Story (z. B. die Frage welchen großen Sinn es macht, sich Lebenszeit von einer Bank leihen zu können oder warum es keine Sicherung bei der Übertragung von Zeit gibt) muss man einfach übersehen. Insgesamt jedenfalls ein sehr sehenswerter Film, der zum Nachdenken anregt.

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