Moviekritik zu „Lincoln“

Während „Django Unchained“ die emotionale Seite des Themas „Abschaffung der Sklaverei in den USA“ abdeckt, ist „Lincoln“ eher für den Kopf gedacht. Leider kommt der Film unter der Regie von Steven Spielberg so dröge daher wie eine Geschichtsstunde: Abraham Lincoln bewegt sein Gesicht in den ersten 110 (von 137) Minuten des Filmes praktisch überhaupt nicht und spricht entweder in gestelzter Sprache mit großem Pathos oder so gewollt lässig mit vermeintlich „kleinen Lichtern“, dass es dem Kinobesucher die Tränen in die Augen treibt. Und wenn er zum wiederholten Mal sinnloserweise zu einer (nur bedingt zur Situation passenden) Anekdote ansetzt, möchte man durchaus auch mal die Vorspultaste am Kinositz finden. Mehr als der namensgebende Protagonist überzeugt Tommy Lee Jones mit einer süffisant bärbeißigen Performance. Dramaturgisch ist kaum etwas geboten. Das „politische Genie“ Lincolns (auf einem gleichnamigen Buch basiert der Film) wird zwar teilweise deutlich, kann aber nicht recht überzeugen.

Inhaltlich interessant fand ich, dass meist über „die Neger“ geredet und entschieden wird. Mit den Schwarzen redet jedoch kaum jemand und diese erscheinen bis auf eine einzige Ausnahme auch in Washington immer nur als Dienstboten. Auch Lincoln redet mit der Zofe seiner Frau „von ihrem Volk“, das er nicht kennt und das ihm eigentlich herzlich egal ist. Auf der Basis wird kaum deutlich was die wahren Beweggründe für seinen Kampf für die Abschaffung der Sklaverei sind. Deutlicher – ohne zu viel verraten zu wollen – wird das beim Abgeordneten Stevens (Tommy Lee Jones) am Ende des Films. Eine echte Auseinandersetzung mit den Gründen für und gegen die Sklaverei findet hier also nicht recht statt.

Für 12 Oscars nominiert, nur zwei bekommen – „Lincoln“ sieht nach dem großen „Verlierer“ der diesjährigen Oscar-Verleihung aus, weil Erwartungen und Ergebnis so weit auseinander liegen. Nach meinem gestrigen Filmbesuch würde ich sagen: zu Recht. Hier wurde mit sehr viel Geld aus einem großen Thema ein teurer Film ohne echte Seele produziert. Es wäre einfach noch mehr drin (und auch angebracht) gewesen.

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