Aug 30

John LeCarre: The Constant Gardener

Zu LeCarres Buechern habe ich ein gespaltenes Verhaeltnis. Manche sind sehr gut, manche einfach nur schlecht (z. B. „Der Schneider von Panama„). Ausserdem ist der gute Mann ja auch schon etwas in die Jahre gekommen und wahrscheinlich so reich, dass er nicht mehr sein Herzblut in jedes Buch haengen muss. Trotzdem ist ihm mit „Der ewige Gaertner“ (juengst verfilmt mit Ralph Fiennes in der Hauptrolle) meiner Meinung nach ein grosser Wurf gelungen:
Sehr einfuehlsam beschreibt das Buch die – wie im Nachwort ausdruecklich betont: fiktive – Geschichte eines britischen Diplomaten, dessen stark in Afrika-Hilfsorganisationen engagierte Frau ermordet wird, weil Sie es wagte an ein grosses Geheimnis heranzugehen. Hatte er vorher ein gegenseitiges Sich-gegenseitig-nicht-einmischen Agreement mit ihr geschlossen und sich lieber seiner Gartenarbeit gewidmet (daher der Titel), ist er durch Ihren Tod und das seltsame Verhalten seiner Vorgesetzten jetzt auf der Suche nach der Wahrheit.
Ein spannendes Buch, das fast ohne Action auskommt. Ein Buch ueber ruecksichtslose Methoden von Pharmaunternehmen, ueber Hilfsprojekte in Afrika und ein emotional beruehrendes Buch ueber die Liebe eines Mannes zu seiner ermordeten Frau. Bravo.

Buch bei Amazon auf englisch oder deutsch erhaeltlich.

Aug 23

Sven Regener : Neue Vahr Süd

Vom vorher erschienen Nachfolger „Herr Lehmann“ war ich nicht gerade begeister. Zu langweilig. Zu langatmig. Zu lange Dialoge.
Das Prequel „Neue Vahr Süd“ ist deutlich laenger und besteht praktisch auch nur aus Dialogen. Und trotzdem hat mich das Buch vom Hocker gehauen. Richtig witzig. Chaos pur und trotzdem ein gewisser roter Faden durchgehalten.
Worum es geht: Frank Lehmann muss zum Bund – er hat naemlich vergessen zu verweigern, so wie er auch so manches andere vergessen hat in seinem Leben. Zum Beispiel auszuziehen oder sich einfach mal fuer Dinge zu entscheiden. Beides holt er innerhalb des Buches noch nach. Und auch so manches andere noch. Die Bundeswehrbeschreibungen sind sogar fuer mich als Zivi gut zu lesen. Man kann sich das richtig schoen vorstellen und ist froh, das verpasst zu haben. Die politisch ultralinken Mitbewohner von Frank sind etwas sehr weit von heute weg, aber das Buch spielt halt in der Zeit.
Warum ist das Buch lesenswert?
1. Weil es teilweise herrlich absurd ist.
2. Weil man den Anti-Helden irgendwie lieb gewinnt.
3. Weil es gute Unterhaltung ist.

Das muss reichen, finde ich.

Aug 20

Noah Gordon: „Die Klinik“

Noah Gordon wurde hauptsaechlich durch die Medicus-Reihe bekannt. Begeistert von diesen Buechern und als bekennender Emergency-Room-Fan habe ich mir auch das (vor dem Medicus erschienene) Buch „Die Klinik“ gekauft.
Es geht um die Geschichten von drei sehr unterschiedlichen Chirurgen in den USA in den 70er Jahren. Die Charaktere werden gut ausdifferenziert und – aehnlich wie bei ER die Kamera immer mitwandert – wird hier zwischen den Seelen der drei kapitelweise gewechselt wird und immer aus deren Perspektive erzaehlt. Das ist nicht nur erzaehlerisch interessant, sondern macht auch noch Spass zu lesen. Die Geschichten ueber Siege und Niederlagen, die sich teilweise ueberschneiden machen immer Lust aufs Weiterlesen. Absolute Empfehlung. Schade, dass es keine Fortsetzung gibt…

Aug 14

Walter Moers: Die Stadt der träumenden Buecher

Walter Moers (bekannt als Autor so unterschiedlicher Bücher wie „Das kleine Arschloch“ und „Die 13 1/2 Leben des Kaeptaen Blaubaer„) hat mit seinen Büchern aus Zamonien ein neues Phantasiereich erschaffen. Das angenehme ist, dass man die einzelnen Buecher auch lesen kann ohen die vorhergehenden zu kennen.
Nachdem ich „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ gelesen hatte (sehr empfehlenswert) hatte ich mir jetzt „Die Stadt der träumenden Bücher“ vorgenommen. Auch hier war ich wieder sehr begeistert. Gut vor allem die kurze Laenge der Kapitel und natuerlich die vielen, vielen Ideen die fast jede Seite zu einer Ueberraschung machen.
Super Schmoeker fuer den Urlaub!

Jul 30

Cornelia Funke: „Der Herr der Diebe“

Der Titel erinnert natürlich an „Robin Hood – König der Diebe“, es handelt sich aber um ein (mit diversen Preisen überhäuftes) Kinderbuch der Autorin Cornelia Funke, die 2005 vom Time-Magazine zur einflussreichsten Deutschen gewählt wurde. Nachdem es mir von einigen empfohlen wurde, wollte ich es auch gerne lesen…

Die Geschichte dreht sich um ein Brüderpaar, das vor der schrecklichen Tante (die nur einen der beiden adoptieren möchte) nach Venedig fliehen (von dem ihnen ihre verstorbene Mutter allerlei Geschichten erzählt hatte). Dort schliessen Sie sich einer kleinen Bande von Kindern an, die vom „Herrn der Diebe“ mit Diebesgut versorgt werden, das Sie bei einem Hehler zu Geld machen, um Ihren Lebensunterhalt damit zu bestreiten. Eines Tages bietet diesem dem „Herrn der Diebe“ einen besonderen Auftrag an…
Zusätzlich zu den erwähnten Figuren spielen noch ein freundlicher Detektiv, 2 Schildkröten, ein Karusell und diverse Einwohner Venedigs eine Rolle.

Die Schrift der gebundenen Ausgabe ist kindgerecht groß, die Illustrationen stammen von der Autorin und die Handlung ist für ein Kinderbuch ziemlich aufwendig und interessant. Die Sprache ist einfach gehalten (einige italienische Ausdrücke werden erklärt). So richtig vom Hocker gerissen hat mich das Buch ehrlich gesagt nicht (ist aber bei einem Kinderbuch wohl auch kaum zu erwarten), aber es ist eine nette Unterhaltung für Zwischendurch und das ist ja schon mal was wert. Für Kinder ist das Buch jedoch sicher super geeignet und erreicht vielleicht einen Kultstatus ähnlich wie „zu meiner Zeit“ Jim Knopf 🙂

Link zum Buch bei Amazon.de:
Der Herr der Diebe

Das Buch wurde übrigens auch erst vor kurzem verfilmt:
Offizielle Webseite zum Film

Jul 28

Word-Tipp: Seitenumbrüche ohne Reue

Einer Sache bei Word, die mich schon immer geärgert hat bin ich heute auf die Schliche gekommen. Wenn man einen Seitenumbruch vor einem Absatz einfügt, der beispielsweise eine Hintergrundschattierung hat, dann wird diese Schattierung (und noch ein paar andere Formatierung) auf die Seite davor (mit dem Seitenumbruch) übernommen. Das Löschen dieser Formatierung auf der vorhergehenden Seite hat leider auch das Löschen auf der nächsten Seite zur Folge, was ja nicht Ziel der Übung ist:

Das Problem

1. Lösungsidee:
Eine leere Zeile auf der 2. Seite, die ohne Formatierung auskommt.
=> Sorgt leider für eine unnötige Leerzeile

Lösung 1

2. Lösungsidee:
Abhilfe wusste ich mir bisher erfolgreich durch die Verwendung von „Abschnittswechsel nächste Seite“ zu schaffen – was jedoch leider auch zu einem Abschnittswechsel führte, was wiederum bei den Kopf- und Fußzeilen etc. manchmal Mehrarbeit verursachte.

Lösung 2

3. Lösungsidee (der Königsweg):
Eine etwas versteckte Option macht eine noch elegantere Lösung möglich. Im Menü Absatz gibt es die Registerkarte „Zeilen- und Seitenumbruch“. Dort kann ein Häkchen vor „Seitenumbruch oberhalb“ gesetzt werden. Und das Ergebnis ist genau das gewünschte: Ein Seitenumbruch an der richtigen Stelle, aber kein störender Abschnittswechsel. Kleiner Pferdefuss: Es wird kein Steuerzeichen angezeigt.

Lösung 3

et voilá

Das Ergebnis
Jul 23

Urheberrechtsstreit – next Generation

Zwei widersprüchliche Meldungen des sehr empfehlenswerten News-Dienstes www.golem.de haben mir letzte Woche gezeigt, wie man auf zwei verschiedenen Seiten vom Pferd fallen kann:

Meldung 1: „Kinderbuch zum Thema Urheberrecht
Unter dem Titel „Das Schwein und die Kiste“ soll Kindern hier beigebracht werden, wie böse diejenigen sind, die für kopierte Leistungen Geld verlangen, oder diese Leistungen mit Einschränkungen versehen.

Meldung 2: „Kinder als Internet-Polizisten gegen Urheberrechtsverletzungen in Hongkong
Im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet sollen Kinder in Hongkong als Denunzianten im großen Stil angeworben werden.

Meine Meinung: Die Frage, wie mit dem Urheberrecht im Zeitalter der digitalen Vernetzung umgegangen werden kann ist einer der großen Grabenkämpfe unserer Zeit. Lasst da doch bitte die Kinder in Frieden, damit die vielleicht später mal etwas weniger ideologisch an das ganze heran gehen können.

Jul 20

„Das Klingsor Paradox“ – Anti-Kauf-Tipp

Was soll man über Bücher sagen, die man für 50 Cent beim Bücherflohmarkt kauft, deren Rücken voller Lobeshymnen aus Spiegel, Welt und was-weiß-ich ist, bei denen es angeblich um eine geniale Mischung aus NS-Wissenschafts-Thriller, Spionage-Roman und Liebesgeschichte geht und deren Seitenanzahl die Anzahl der Seiten mit Spaß beim Lesen um einiges überschreitet. Über Bücher, die so weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, dass man sich fragt, wie sich jemand davon blenden lassen konnte. Über Bücher die versuchen die relativ magere Geschichte durch Pseude-Spionage-Elemente aufzupeppen und durch ebenso unnötige wie uninteressante Sexszenen wenigstens noch ein paar Käufer zu finden?
Am besten sagt man wohl wenig darüber, weint ein wenig um die verschenkten Möglichkeiten und gibt das Buch – genau – für einen guten Zweck auf den Bücherflohmarkt.

Jorge Volpi, „Das Klingsor Paradox“, 508 Seiten – mehr Infos bei Amazon unter Das Klingsor Paradox