Sep 25

Obskure Namen religiöser Gemeinschaften

Religiöse Gemeinschaften jenseits des Mainstreams tragen in ihrem Namen ja gerne mal so einiges vor sich her. Vom eigenen Selbstverständnis bis hin zur Abgrenzung (wichtig!) zu anderen (zum Beispiel der Hauptkirche von der man sich abgespaltet hat).
Für ein lustiges Projekt habe ich einen Generator für solche Namen programmiert. Hier ein paar ermutigende Beispiele:

  • Kosmisches Bewusstsein für den universellen Gott
  • Hollistisches Paradies für die schwebende Gottheit
  • Berufene Dienerinnen von der vergnügten Erlösung
  • Erster Kult beim barmherzigen Nichts
  • Glorreiche Nation für den erleuchteten Bruder
  • Kosmisches Kalifat zum rettenden Frieden
  • Glorreicher Zirkel zur überlegenen Salbung
  • Göttliche Dienerschaft vom ewigen Nichts
  • Freies Kollektiv bei der erleuchteten Schwester
  • Einziger Tempel zur erleuchteten Erlösung
  • Kosmisches Kollektiv zum erleuchteten Weltgeist
  • Erster Kreis zum rettenden Nirwana
  • Himmlisches Königsreich für die vergnügten Heilung
  • Göttliches Kollektiv zur erleuchteten Schwester
  • Kosmische Offenbarung vom barmherzigen Universum
  • Freies Paradies bei der vergnügten Gottheit
  • Berufenes Paradies zum vergnügten Nirwana
  • Himmlische Offenbarung beim ewigen Frieden

Die Wortbausteine wiederholen sich noch ein wenig zu oft, aber das ist natürlich ausbaufähig. Und Vorschläge für Erweiterungen sind gerne willkommen.

Mrz 03

(Isl)amischer Staat

„A: Die leben irgendwie echt in ihrer eigenen Welt“

„B: Ja, genau: Die Frauen laufen mit seltsamen Kopftüchern herum“

„A: Stimmt, und die Männer haben sehr lange Bärte“

„B: Die halten sich offensichtlich für etwas besonderes“

„A: Und dabei ist ihre Lebensweise archaisch und passt überhaupt nicht in unsere Zeit“

„B: Und erst der Umgang mit ihrem religiösen Buch: Ihr Schriftverständnis ist sehr autoritär“

„A: Am meisten irritiert mich, dass sie quasi ein Staat im Staate mit eigenen Regeln und eigener Gerichtsbarkeit sind“

„B: Schon seltsam mit diesen Amischen“

„A: Ach so – ich dachte du meinst den Islamischen Staat!“

Wenn man schlecht hört, kann man bei Gesprächen über das aktuelle Weltgeschehen schon mal die Furcht vor dem „Amischen Staat“ hören, wenn es eigentlich um das Terrornetzwerk des „Islamischen Staates“ geht. Natürlich eine etwas absurde Vorstellung – schließlich sind die Amischen insbesondere für ihren konsequenten Pazifismus bekannt, was man von den Terroristen des IS nun ja gerade nicht behaupten kann. Trotzdem gibt es einige Parallelen, so dass man sich durchaus einen Dialog voller Missverständnisse wie den obigen vorstellen könnte, der sich erst nach einiger Zeit aufklärt.

Es bleibt abschließend nur noch festzuhalten, dass die Amischen seit dem 17. Jahrhundert existieren und seitdem keinerlei Bedrohung für irgendjemanden darstellen.
Die Welt wäre eine bessere, wenn sie die einzigen wären, auf die die o. g. Sätze zutreffen.

Feb 27

Jesus und Obama

Angesichts der absurden Behauptungen über Barack Obama die ihm von Teilen der US-Öffentlichkeit täglich entgegenschwappt ist dieser Spruch einfach nur gut:
Obama & Jesus Bumper Sticker _ Zazzle_2015-02-27_14-06-29
Das ganze ist bestellbar als Aufkleber über www.zazzle.com

Und hier sieht man auch gleich mal wieder wie kontextabhängig Bewertungen sein können – oder würde irgendjemand in Deutschland den gegenwärtigen Präsidenten der USA als Kriegsgegner oder Sozialist bezeichnen?

Zitate der Wahrheit (II): Aliens, Atheismus und Wahrscheinlichkeitsrechnung

Quote

„Es stellt für mich einen Widerspruch dar, dass aliengläubige Atheisten einerseits mit dem (nachvollziehbaren) Argument der Wahrscheinlichkeit für eine Existenz außerirdischen Lebens argumentieren, obwohl kein ernst zu nehmender Mensch von entsprechenden Kontakten berichtet und andererseits die Existenz Gottes kategorisch verneint wird, obwohl es sehr viele (und darunter viele ernst zu nehmende) Menschen gibt, die von sich behaupten Gott persönlich erlebt zu haben.“

Reiner E. Debel, Religionsphilosoph

Jan 12

puls – die zweite Staffel beginnt am 24. Januar

Puls Season 2 ist rot. Rot wie die Sehnsucht. Und das ist nicht alles, was anders ist. Nein, puls ist jetzt auch länger (5 statt 4 Abende) und puls findet an einem anderen Ort statt: Statt im Museumswinkel jetzt im Gemeindehaus am Bohlenplatz. Vorteile: mehr Platz zum Sitzen, für die Bar und für Stationen. Außerdem mehr Scheinwerfer und eine etwas zentralere Lage.
Die Webseite wurde auch entsprechend angepasst und ist nach wie vor unter www.puls-erlangen.de abrufbar. Dabei natürlich ausführlichere Infos zu den einzelnen Abenden. Die zweite Staffel startet am 24. Januar mit dem Thema „Fernweh – die weite Welt“. Auch einen Flyer zum runterladen gibt es.

Nov 22

Carlos Ruiz Zafon: Der Schatten des Windes

Nachdem „Der Schatten des Windes“ für mich seinerzeit des Buch des Jahres war, konnten die Erwartungen an „Das Spiel des Engels“ kaum größer sein. Der Klappentext liest sich fast wie ein Prequel zum Schatten: Wieder geht es um besondere Bücher, schauerliche Geschichten in besonderen Häusern und schliesslich und endlich: um Barcelona, die Heimatstadt Zafons.

Worum geht’s?
Der vom Glück bisher alles andere als begünstigte David Martin wird als Zeitungsjournalist entdeckt und bald durch einen Knebelvertrag zum Schreiben von Schundromanen in hervorragender Qualität für einen Hungerlohn verpflichtet. Er träumt davon, ein eigenes Buch zu veröffentlichen, scheitert jedoch an der Ungnade seiner Umwelt. Nur ein Buchladen des alten Schlages hält ihm die Stange und ermutigt ihn immer wieder. Als ein undurchsichtiger Fremder ihn mit viel Geld für einen Roman engagieren will und er sich auf das dubiose Geschäft einlässt, beginnt seine Welt langsam aber sicher in Brand zu geraten…

Und – wie war’s?
Die Atmosphäre des Buchs ist düster. Noch deutlich düsterer als in „Der Schatten des Windes“, an den man sich ständig erinnert fühlt. Die Ideen sprudeln nicht mehr ganz so massig (obwohl immer noch deutlich mehr Kuriosa zu bestaunen sind, als in den meisten anderen Büchern), der Witz st nicht mehr ganz so treffsicher. Außerdem sterben mir zu viele Protagonisten ohne besonderen Grund.
Dafür ist das Spiel des Engels eines, das sehr packend und spannend ist. Man möchte, man kann das Buch fast nicht aus der Hand legen, auch wenn man am nächsten Tag früh aufstehen muss und eigentlich besser schlafen sollte.
Ich denke das Hauptproblem des Buches sind die sehr hohen Erwartungen, denen es leider nicht gerecht wird. Vor diesem übermächtigen Vorgänger verblasst es und seine Fehler treten zu deutlich zu Tage. Zafon hätte das Setting wechseln sollen, um dieses Problem zu entschärfen, aber bei so vielen Überschneidungen drängt sich der Vergleich zu sehr auf und da kann das Buch nur verlieren.

Das interessante Zitat
Folgendes Zitat fand ich „eselsohrrelevant“ (S. 311), da es vollkommen unvermittelt im Gespräch der Luzifer-Figur mit dem David Martin kommt:

„Und sind sie ein Gläubiger oder ein Skeptiker?“
„Ich bin ein Profi. Und Sie auch. Was wir glauben oder nicht, ist irrelevant für das Gelingen unserer Arbeit. Glauben oder nicth glauben ist eine kleinmütige Frage. Man weiß, oder man weiß nicht. Punktum.“
„Dann muss ich gestehen, dass ich nichts weiß.“
„Folgen Sie diesem Weg, und Sie werden in die Fußstapfen des großen Philosophen treten. Und dazwischen lesen Sie die Bibel von vorn bis hinten. Sie ist eine der größten je erzählten Geschichten. Machen Sie nicht den Fehler, das Wort Gottes mit der Messbuchindustrie zu verwechseln, die davon lebt.“
Je länger ich in Gesellschaft des Verlegers war, desto weniger meinte ich ihn zu verstehen.
„Ich glaube, ich habe den Faden verloren. Wir sprechen von Legenden und Fabeln, und jetzt sagen Sie mir, ich soll an die Bibel glauben, als wäre sie das Wort Gottes?“
Ein Schatten der Ungeduld und Gereiztheit legte sich auf seinen Blick.
„Ich spreche im übertragenen Sinn. Gott ist kein Schwätzer. Das Wort ist Menschenwährung.“
Dann lächelte er mir zu, wie man einem Kind, das die elementarsten Dinge nicht versteht, zulächelt, um es nicht ohrfeigen zu müssen.“

Für alle, die das Buch gelesen habe, hier meine persönliche Theorie zu dem Buch, das David Martin schreibt: (Achtung Spoiler-Alarm!)
Aus diversen Andeutungen meine ich zu erkennen, dass das Buch ohne Probleme „Mein Kampf“ heißen könnte und sozusagen später von Adolf Hitler aus der „Bibliothek der vergessenen Bücher“ entführt wurde 😉 Der religionsersetzende und gleichzeitig menschenverachtend zersetzende Charakter und vor allem die Umsetzung des Verlegertipps, dass unbedingt noch ein „Schuldiger“ eingebaut werden müsse, damit es „funktioniert“ wären damit gut umgesetzt worden.

Derzeit gibt es „Das Spiel des Engels“ leider nur als Hardcover und als Hörbuch (9 CDs).

Okt 27

Am Sonntag ist wieder puls

Wer am Sonntag abend noch nichts vor hat, dem kann ich die dritte Episode von puls ans Herz legen. Um 18 Uhr am Museumswinkel werden die Lichter wieder gedämmt und die Lounge-Musik dezent gepitcht. Manches ist mittlerweile zur Routine geworden, manches ist jedes Mal neu. Mittlerweile weiß man auch, was in welche Kategorie gehört.

Auch am Sonntag gibt es wieder ein Thema: „Gelassen – die Kunst richtig auszuruhen“. Das könnte mir gut so passen, denn etwas chillen wäre im Moment angesagt.

Mehr Infos unter www.puls-erlangen.de.

Okt 04

Wunschkirche.de und die Folgen: puls! (Heute geht’s los!)

Vor einiger Zeit (oh Schreck, das ist ja fast ein Jahr her!) hatte ich hier im Blog auf die Umfrage www.wunschkirche.de hingewiesen. Ein Projekt von Elia, bei dem es – stark vereinfacht – darum ging, wie ein spirituelles Event in der Postmoderne sein sollte, damit man (=ich, der geneigte Leser, kirchlich sozialisierte und Leute ohne kirchlichen Hintergrund) etwas davon hat und gerne hin geht. Soweit so spannend.

Das Einsammeln von Fragebögen hat einiges an Zeit gekostet. Am Erlanger Frühling waren wir mit einem Stand vertreten und haben gerade dort sehr viele interessante Antworten bekommen, die nachher brav in Limesurvey eingetippt wurden. Für die Auswertung haben wir uns auch viel Zeit genommen: Was wird gewünscht? Was ist machbar? Welche Vorstellungen haben wir selber?

Heraus gekommen ist etwas, was so spannend ist, dass wir es uns selbst erst dann richtig vorstellen können, wenn es vorbei ist. So viele Ideen wurden eingebracht. In meiner persönlichen Tagcloud steht im Moment: Loungig, chillig, intelligent, moderat abgefahren, ungewöhnlich, Video, meditativ und (zumindest für heute) Tee!

Wer mehr wissen will: www.puls-erlangen.de – und die erste Staffel beginnt genau heute um 18 Uhr im Museumswinkel in Erlangen. Wer sie heute verpasst, der hat am 18.10., 1.11. und 15.11. noch mal die Gelegenheit. Die zweite Staffel folgt dann im Frühjahr.

Aug 28

William P. Young: Die Hütte

Untertitel: Ein Wochenende mit Gott

Ohne Frage ein ganz besonders Buch: Ursprünglich vom kanadischen Autor William P. Young als Weihnachtsgeschenk für seine Kinder geschrieben und dann im Selbstverlag herausgebracht, hat die englische Version es geschafft praktisch nur über Mundpropaganda in über 6 Millionen (!) Exemplaren verkauft zu werden und zum New York Times Bestseller zu werden. Allein das ist schon … sagen wir mal „ungewöhnlich“. Und dann das Thema: Es geht um nicht weniger als die Frage nach dem Wesen Gottes und vor allem die berühmte Theodizee-Frage, sprich: „Woher kommt das Leid und wie kann Gott es zulassen?“. Alles andere als leichte Massenkost möchte man meinen.

Doch damit nicht genug: Auch privat haben mir persönlich drei Leute innerhalb kurzer Zeit das Buch dringend empfohlen. Eine davon hat es mir sogar gleich geschenkt, obwohl wir uns sonst eher selten sehen und uns noch nie gegenseitig Bücher geschenkt haben. Es ist also etwas dran an dem Buch, das sich als Phänomen beobachten, aber schwer in ernsthafte Kategorien verpacken lässt…

Worum geht’s?
Der Ich-Erzähler muss miterleben, wie seine Tochter von einem Kinderschänder entführt und aller Wahrscheinlichkeit nach getötet wird. Nach einigen Jahren voller Schmerzen und einer „großen Traurigkeit“, die er seitdem mit sich herum schleppt flattert ihn ein Brief ins Haus, der von Gott zu sein scheint und ihn dazu auffordert sich in der Hütte (dem Ort wo das Blut seiner Tochter gefunden wurde) zu treffen. Was ihn dort erwartet verändert ihn dauerhaft. (Mehr will ich hier lieber nicht verraten)

Und – wie war’s?
Das Buch zieht sich zu Beginn etwas. Die Sprache ist „schön“, aber aus meiner Sicht auch etwas sehr blumig im Sinne von ausschweifend. Die ersten knapp 100 Seiten haben für mich zu wenig Inhalt. Doch was danach kommt, lohnt den langsamen Einstieg allemal. In diversen Lektionen geht es theologisch ans Eingemachte, ohne auch nur sich auch nur annäherungsweise theologisch anzufühlen. Das Wesen Gottes und der Dreieinigkeit wird aus der Sicht des Autors begreiflich und erfahrbar gemacht und auch die großen Fragen des Lebens werden nicht ausgespart.

Eine klare Empfehlung von mir für alle, die sich für das Wesen Gottes interessieren und in eine spannende Geschichte verpackt darüber lesen möchten.

Vergleich der englischen und deutschen Ausgabe
Ich habe das Buch zwei mal gelesen – zuerst auf Englisch und dann auf Deutsch. Die englische Version hat mir besser gefallen, die Übersetzung wirkte mir teilweise etwas platt. Außerdem nervt bei der deutschen Ausgabe, dass der offensichtlich sehr kommerzorientierte Verlag ohne viel Gespür für Takt erstens eine Seite Werbung im Buch hat (was ich an sich schon widerlich finde) und zweitens diese auch noch mit der Überschrift „Spirituell telefonieren“ für einen Handyvertrag mit Horoskopdienst wirbt (was ich sowohl dämlich, als auch geschmacklos und an der Zielgruppe vorbei gedacht finde). Dafür hat die deutsche Version einen längeren Teil mit Informationen des Autors zu bieten. Die Geschichte ist so geschrieben, als sei sie trotz aller phantastischen Elemente tatsächlich geschehen. In der englischen Version wird dieser Eindruck durch ein fiktionales „Nachwort“ in dem vom weiteren Ergehen der Hauptperson die Rede ist sogar noch verstärkt. In der deutschen Version wird dieser Sachverhalt durch das Nachwort des Autors eindeutig geklärt.

Bei Wikipedia gibt es einen längeren deutschen Artikel über die Hütte und ein paar Informationen zum Drumherum.

„Die Hütte“ gibt es bei Amazon als Gebundene Ausgabe und als Hörbuch. Auch die (wesentlich günstigere und meiner Meinung nach bessere) englische Paperback-Ausgabe ist dort erhältlich.