Dez 21

Umfrage von www.wunschkirche.de

Wer – so wie ich – mit klassischen Gottesdiensten nicht viel anfangen kann, für den gab es in den letzten Jahren in Erlangen die Möglichkeit einmal im Monat bei LebensArt vorbei zu schauen. Die „Kneipe in der Kirche“ war einfach erfrischend anders mit Getränkeausschank, spassiger Moderation, Spielchen und Videos, Kunstausstellungen und einem gut ausgearbeiteten und interessanten Thema.

Leider wurde das Projekt nach 7 erfolgreichen Jahren von Elia eingestellt und die Suche nach einem Nachfolge-Projekt hat begonnen. Dabei geht es darum, ein „christliches spirituelles Event“ neu zu definieren und so umzusetzen, wie Leute sich das tatsächlich wünschen. Dafür wurde die Webseite www.wunschkirche.de geschaffen, deren Kernstück eine Umfrage ist. Ziel ist es, 1000 ausgefüllte Umfragen zu erhalten um damit tatsächlich sinnvolle Vorgaben für die Planung eines Events zu haben.

An alle Erfinder, Träumer, Nonkonformisten, Wunschdenker und Rebellen ergeht also hiermit die Aufforderung:

Macht mit bei der Umfrage von www.wunschkirche.de!

Es sind nur 12 Fragen und vielleicht ist das Ergebnis ja auch für euch interessant.

P.S.: Als Umfrage-Software kommt übrigens Limesurvey zum Einsatz – ein kostenloses OpenSource-Tool, das praktisch keine Wünsche offen lässt.

Aug 08

Ted Dekker: White

Untertitel: Der Kreis schließt sich (Original: „White – The Great Pursuit“)

Nach „Black – Die Geburt des Bösen“ und „Red – Der Tod des Meisters“ stellt „White – Der Kreis schließt sich“ den Abschluß der Triologie von Ted Dekker dar.

Worum geht’s

Das geheimnisvolle Raison-Virus wird von einer skrupellosen Gruppe als Druckmittel für die größte vorstellbare internationale Erpressung verwendet. Thomas Hunter kann durch seine Träume in zwei Parallelwelten an der Lösung des Problems arbeiten. In der Traumwelt sieht er sich mit einer sehr parallel gelagerten, aber in anderer Form auftretenden Realität konfrontiert. Immer mehr durchschaut er die Zusammenhänge und schafft es weiteren Personen eine Verbindung zur Parallelwelt zu ermöglichen. Kompliziert wird es vor allem, als er sich in die Prinzessin der Wüstenhorde verliebt, die sich weigert, ihren Lebensstil aufzugeben.

Und – Wie war’s

Das Buch ist sehr spannend geschrieben und sehr vielschichtig. Als Buch an sich überzeugt es. Es will aber mehr sein: Eine Parabel über die Parallelität geistlicher und weltlicher Realität und über die in der Offenbarung geschilderten Vorgänge. Diesem Anspruch wird das Buch (leider) nicht gerecht. Die Parallelen sind zu weit hergeholt oder nicht stimmig. Trotzdem wie gesagt ein spannendes Buch! Sprachlich gewandt und schneller gelesen, als man das bei über 400 Seiten vermuten würde.

White – Der Kreis schließt sich“ gibt es auf deutsch bisher nur als Gebundene Ausgabe.

Noch mal der Hinweis:
Neben der extrem umfangreichen englischen Seite www.teddekker.com gibt es mit www.ted-dekker.de auch ein deutsches Pendant. Aufwändig angelegt, aber leider sehr lieblos gefüllt: Ganze 2 Blogeinträge in fast einem Jahr (einer davon ein Testeintrag) zeichnen ein trauriges Bild von Pressearbeit.

Okt 12

Ted Dekker: Red

Untertitel: Der Tod des Meisters (Original: „Red: The Heroic Rescue“)

Gerade (auf deutsch) frisch erschienen: Der zweite Band der Circle-Triologie.

Worum geht’s?
Der erste Band (Black: Die Geburt des Bösen) endete mit dem Ausbruch bzw. der Freisetzung des Raison-Virus. Der zweite Band spielt erfreulicherweise mehr in der Fantasy-Welt als in der Realität. Thomas Hunter (die Hauptfigur aus dem ersten Band) ist innerhalb von 15 Jahren zum Helden der Wälder und dem Anführer der „Wächter des Waldes“ herangereift. Mit seiner Frau Rachelle hat er 2 Kinder. Bedroht werden die Wälder durch die „Wüstenmenschen“, die in letzter Zeit durch einen neuen General immer bedrohlicher werden. Und dann ist da noch der undurchsichtige Justin, der die Kampfmoral der Wächter des Waldes erheblich reduziert und offensichtlich versucht die Waldbewohner an die Wüstenbewohner zu verraten.
Durch die in der Fantasy-Welt erworbenen Fähigkeiten ist Thomas jetzt auch in der Realität besser dafür ausgerüstet, sich dem Kampf gegen die Terrorgruppe „Neues Bündnis“ zu stellen. Die Verbindungen zwischen hier und dort werden im Laufe des Buches immer vielseitiger und komplexer.

Kritikpunkte
Noch etwas nerviger als im ersten Teil wird die subjektive amerikanische Sichtweise der Weltpolitik deutlich. Der amerikanische Präsident ist die einzige weltpolitische Autorität, auf die es ankommt, alle andere sind Statisten oder Bösewichter. Diese Passagen muss man einfach überlesen oder man wird nicht glücklich. Ein weiterer Kritikpunkt ist die mangelnde Transparenz wie die Verbindung zwischen den Welten jetzt tatsächlich funktioniert und was die Gesetzmäßigkeiten dafür sind.

Positives
Die Wächter des Waldes erinnern (wahrscheinlich nicht von ungefähr) an die Reiter von Rohan aus dem Herrn der Ringe. Die Story gewinnt gegenüber dem ersten Band deutlich an Tiefe. Die entworfene Welt stellt eine deutliche Neuerung gegenüber derjenigen aus „Black“ dar, baut also nur bedingt auf dieser auf. Die Charaktere werden unterschiedlich stark akzentuiert, vor allem der des Justin ist gut gelungen.

Fazit
Ted Dekker hat sich nicht zurückgelehnt und die Versatzstücke des ersten Teils genommen um sich darauf auszuruhen, sondern sich tatsächlich die Arbeit gemacht die meisten Orte und Personen neu zu erfinden, einige Figuren zurücktreten und andere neu aufblühen zu lassen. Der schwierige Part das mittlere von 3 Büchern zu schreiben ist ihm damit gut gelungen. Ich bin schon sehr gespannt auf den dritten Teil auf den man in Deutschland leider noch bis zum Frühjahr 2008 warten muss…

Neben der bereits erwähnten extrem umfangreichen englischen Seite www.teddekker.com gibt es mittlerweile mit www.ted-dekker.de auch ein deutsches Pendant. Aufwändig angelegt, aber leider bisher recht lieblos gefüllt und kein Vergleich zum Original – aber da die Seite erst seit kurzem (9. Oktober!) online ist, kann das ja noch werden!

Red – der Tod des Meisters“ und „Red: The Heroic Rescue“ sind bei Amazon erhältlich.

Sep 26

Ted Dekker: Black

Untertitel: „Die Geburt des Bösen“
Originaltitel: „Black. The Birth of Evil. The Circle. Book One.“

Ted Dekker war für mich zunächst ein gänzlich unbekannter Name. Nach ein bißchen Recherche stellt sich allerdings heraus, dass er ca. 1,7 mio Bücher weltweit verkauft hat… Unter anderem hat er auch ein Buch zusammen mit Frank E. Peretti geschrieben. Nun also „Black“ als erster Band einer Triologie.

Worum geht’s?
Thomas Hunter lebt parallel in zwei Welten – 2010 in der Welt wie wir sie kennen mit dem kleinen aber nicht unwichtigen Unterschied, dass sie in diesem Buch vor einer großen Katastrophe steht und in einer Welt, in der es eine klare Trennung zwischen Gut und Böse gibt. Immer wenn er einschläft, wechselt er seinen Aufenthaltsort und kann Wissen und Fähigkeiten, die er in einer der Welten erworben hat, in die jeweils andere mitnehmen. So erfährt er von der bevorstehenden Katastrophe und versucht diese zu verhindern. Dabei bleibt unklar, ob es sich um eine selbsterfüllende Prophezeiung handelt, sprich ob die Katastrophe ohne ihn ebenfalls seinen Lauf nehmen würde. Es gibt viele Parallelen zwischen den beiden Welten: Personen aus der einen scheinen in veränderter Form in der anderen Welt ebenfalls vorzukommen. Besonders verwirrend, als er sich in der einen Welt verliebt und in der anderen Welt eine scheinbare Entsprechung findet.
In der Fantasy-Welt (die dummerweise keinen Namen hat) wird in allegorischer Form die Geschichte des Paradieses und des Sündenfalles erzählt und durchlebt. Dabei werden sowohl für den paradiesischen Zustand, die Verführung und die Folgen derselben gute Allegorien gefunden.

Und wie war’s?
Das Buch hat Anlaufschwierigkeiten. Ich bin mit sehr hohen Erwartungen herangegangen und war am Anfang etwas enttäuscht. Der Nicht-Fantasy-Teil der Geschichte ist meiner Meinung nach zu platt und nicht glaubhaft genug. Die Hauptfigur erscheint mir an manchen Stellen ziemlich blöde. Trotzdem ein gutes Buch! Der Fantasy-Teil ist gut gelungen. Und ich bin schon gespannt auf den zweiten Band.
Sprachlich hält Ted Dekker auf jeden Fall mit Dan Brown und Frank Schätzing mit. Dramaturgisch könnte er noch etwas von den beiden lernen. Zu den besten Szenen gehören für mich die subtilen Verführungsversuche der dunklen Seite, z. B.:

„Nein, ich kann deine Frucht nicht essen.“
„Dann willst du also die Wahrheit nicht?“
„Ja, aber…“
„Ist es verboten die Frucht zu essen?“
„Nein“
„Natürlich nicht. Wenn es schädlich wäre diese Frucht zu essen, hätte Eljon es verboten. Aber es ist nicht schädlich, deshalb ist es auch nicht verboten. Es steckt nur Wissen und Macht darin. Nimm.“
Tanis warf einen Blick zurück auf den bunten Wald. Was die Fledermaus gesagt hatte, stimmte. Es war nicht schädlich die Fruch zu essen. In ihr war nichts Böses. Es war nicht verboten.
„Nur einen Bissen“, sagte Taleh. „Wenn du dann entdeckst, dass ich nicht die Wahrheit gesagt habe, lässt du es. Aber du bist es dir schuldig, es zumindest zu versuchen. Findest du nicht auch?“

Alle drei Bände sind 2004 im Viermonatsrhythmus auf englisch erschienen: Auf deutsch sind derzeit nur die ersten beiden erhältlich. Erschienen im Brendow-Verlag.

Black – Die Geburt des Bösen. Circle-Trilogie Band 1“ und „Black, English edition (Taschenbuch)“ gibt es bei Amazon.

Flash-Webseite zur Triologie: www.thecircletrilogy.com. Dort kann man auch gleich die Graphic Novels zu den Büchern sehen – wow!

Sep 19

Jakob Friedrichs: Jakob bleibt dran!

Untertitel „Theologische Taktlosigkeiten und komisch-kontroverse Kommentare eines Ex-Kolumnisten“.

Jakob „Jay“ Friedrichs ist ein Teil des Duos SUPERZWEI (das sich nach über 15 Jahren nicht mehr NIMMZWEI nennen durfte). In der christlichen Zeitschrift „dran“ (das Magazin zum Selberglauben) hatte Jakob für den ungewöhnlich langen Zeitraum von viereinhalb Jahren eine Kolumne, die ein Stück Geschichte geschrieben hat. Nicht nur der Titel hat sich öfters geändert: Von „Jakobs Meinung“ (wurde von der Firma Jacobs Kaffee unterbunden, da die Aufmachung an das Logo von Jacobs Krönung erinnerte) über „Jakobs Erleuchtung“ bis zu „Ein Tag im Leben des Jakob F.“. Das wirklich spannende war eigentlich, dass Jakob Friedrichs in der Zeit seiner Kolumnen einen großen geistlichen Wandel mit- und durchgemacht hat. Mit seiner Gemeinde, die ihn lange gepusht hatte überwarf er sich in dieser Zeit, da diese ihn aus seiner Sicht fallen ließ, als er „nicht mehr funktionierte“. Tiefe Glaubenszweifel und gleichzeitig der unbedingte Wille ein authentisches Christsein zu leben haben ihn umgetrieben und der Leser war praktisch „live“ dabei. Gerne liess er es auch mal so richtig krachen und packte kontrovers diskutierte Themen ohne Rücksicht auf Verluste an, hatte aber leider oft unter der redaktionellen Überarbeitung zu leiden. Seine Kolumne war für viele das erste, was sie in der dran gelesen haben und die Leserbriefschlachten dazu waren geradezu legendär.
Das Buch „Jakob bleibt dran!“ stellt 34 dieser 57 Kolumnen dar. Nicht chronologisch und teilweise auch nicht in der „entschärften“ Version. Man kann die Texte in Ruhe auf sich wirken lassen, beziehungsweise sich von ihnen herausfordern lassen. Denn eines geht ziemlich sicher nicht: diese Kolumnen lesen und danach so weiter machen wie bisher. Die Texte sind klar darauf ausgelegt zu polarisieren und sorgen dafür, dass man über einige Dinge noch mal ganz neu nachdenkt. Dafür großer Respekt!
Als Bonus gibt es noch einen kleinen selbstverfassten Steckbrief und ein mehrseitiges Interview. Leider alles etwas zu kurz. Ich hätte gerne alle Kolumnen und noch mehr Hintergrundinfos gehabt. Das Buch ist von 2003. SUPERZWEI feiert dieses Jahr ihr 20jähriges Jubiläum und man darf gespannt sein, ob der im Interview angekündigte Thriller tatsächlich noch mal erscheint.

Jakob bleibt dran!“ gibt es bei Amazon.

Mai 23

Sebastian B. Sander: Ballgeflüster

Nachdem der VfB die Meisterschaft gewonnen hat, ist das Thema Fußball fast wieder so interessant wie während des Sommermärchens. Das nette Büchlein aus dem Brendow-Verlag wirbt mit der Fußball-Thematik und vielen Zutaten, die interessant klingen: Skurrile Gemeindecharaktere, Fußball-Analogien und – nicht zuletzt – einem Vorwort von Adrian Plass.

Worum geht’s?
Ein Fußball-Fan hat das Gefühl, dass sich sein Leben zu sehr um den Fußball dreht und wendet sich vertrauensvoll an einen frisch fortgebildeten Seelsorger seiner Gemeinde. Der kann ihm zwar nicht wirklich helfen (sondern mutiert eher selbst stetig mehr zum Fan), bringt ihn aber auf die Idee eine Art Tagebuch zu führen. Dieses wiederum bietet dem Leser einige gelungene Analogien zwischen Fußball und Gemeinde und überhaupt ca. 3-5 vergnügliche Stunden (denn arg viel länger braucht man nicht für die 176 groß gedruckten Seiten). So gibt es etwa ein Sitzungsprotokoll in Form einer Fußball-Reportage und immer wieder eingestreute (wenn auch bekannte) Fußballer-Zitate.

Gutes Buch – Schlechtes Buch?
Ich würde sagen: Nette Unterhaltung, aber kein ganz großer Wurf. Vor allem hat mich gestört, dass es ja um einen fanatischen Fan geht, aber nie sein Verein genannt wird. Es ist jedenfalls weder der FC Bayern, noch Schalke, noch Dortmund. Im Buch ist immer nur von „meinem Lieblingsverein“ die Rede. Das wirkt irgendwie konstruiert und unglaubwürdig. Wenn schon, denn schon. Große Überraschungen sind von der Handlung her nicht zu erwarten. Trotzdem ganz nett zu lesen.

Bei Amazon gibt es Ballgeflüster für 7,95 als Taschenbuch.

Apr 19

Christopher Moore: Die Bibel nach Biff

Untertitel: „Die wilden Jugendjahre von Jesus, erzählt von seinem besten Freund“.

Worum geht’s?

Ein (fiktiver) Jugendfreund von Jesus (im Buch immer Josua bzw. Josh genannt), der nicht ganz dem gängigen Jünger-Klischee entspricht soll posthum ein Evangelium schreiben, um seine Sicht der Dinge zu Papier zu bringen. Gerade, da die echten Evangelien ja zwischen Geburt und dem dreißigsten Lebensjahr Jesu eine sehr große Lücke haben, kein dummer Einfall. Dass Biff ein notgeiler schlimmer Finger ist, der mit einem ähnlich großen Ego wie Herr F ausgestattet ist, hält ihn nicht vom Schreiben ab. Ebensowenig wie den abgestürzten Rache-Engel Raziel, der auf ihn aufpassen soll vom Fernseh- und Chipskonsum abgehalten werden.

Wie liest sich das Buch?

Die meisten Witze liegen leider unter der Gürtellinie, was noch nie ein Kennzeichen eines wirklich guten Buches war. Ist aber auch kaum anders zu erwarten bei einem Buch, das mit einem Zitat von Jürgen von der Lippe auf dem Klappentext wirbt. Ansonsten plätschert die kaum existente Handlung mühevoll vor sich hin und wird immer abstruser. Die Suche nach den 3 Weisen führt zu Buddha und nach Indien etc etc… Teilweise gibt es wirklich helle Momente, bei denen man einen urkomischen Blick auf bekannte biblische Geschichten gewinnt. Außerdem kann man dem Buch durchaus zu Gute halten, dass an keiner Stelle Josh etwas tut, was Christus in einem schlechten Licht erscheinen lassen würde (dafür gibt’s ja Biff…). Trotzdem bewegt sich das Buch natürlich stets auf einer Gratwanderung, die nicht immer gelingt (ein vom Kanaanäischen Hochzeitswein betrunkener Josh ist weder übermäßig witzig, noch besonders geschmackvoll).

Gutes Buch/Schlechtes Buch?

Welche Motivation mag es geben, ein Buch über einen fiktiven Jugendfreund von Jesus zu schreiben. Entweder besonders gute oder besonders schlechte möchte man meinen. Biff (eigentlich Levi bar Alphäus) ist aber weder konsequent blasphemisch noch von großem geistlichen Wert. Der Unterhaltungswert hält sich in eng gesteckten Grenzen und steigt ironischerweise gerade im letzten Fünftel des Buches, als es um bekannte biblische Erzählungen aus der Sicht von Biff geht. Dabei hätte man sich ja durchaus spannenderes über die Jugendzeit einfallen lassen können.
Meine Einschätzung geht von „teilweise ganz nett“, über „größtenteils geschmacklos“ bis zum finalen „Bücher, die die Welt nicht braucht“-Stempel. Der Vergleich von Christopher Morre mit Douglas Adams und Terry Pratchet hinkt da doch um Klassen hinterher. Deswegen hier auch keine Amazon-Empfehlung.

Jan 14

2 neue Bücher und ein neues Hörbuch zu Adrian Plass

Von meinem Lieblingsschriftsteller sind wieder einige neue Bücher angekündigt bzw. verfügbar:
1. „Jetzt reicht’s aber“ – ein Andachtsbuch über die Stellen in der Bibel, die man gerne mal unter den Tisch kehrt. Bin schon sehr gespannt.
2. „Das Tagebuch eines frommen Chaoten“ als Hörbuch, gesprochen von Markus Maria Profitlich (eine Lesung durch Andreas Malessa gab es ja schon länger)
3. „Bacon Sandwiches and Salvation: An A-Z of the Christian Life“ – ein sicherlich sehr witziges und trotzdem nicht nur oberflächliches Buch.

Mehr dazu auch unter: Infos zu den Neuerscheinungen bei www.adrianplass.de

Nov 21

Interview mit Titus Müller zu „Die Siedler von Vulgata“

Durch Vermittlung von Justus Hotte von der Alpha-Buchhandlung Gießen habe ich die Gelegenheit erhalten, ein Online-Interview mit Titus Müller (s. Besprechung zu „Die Siedler von Vulgata„) zu führen:

www.endlich-nerd.de (EN): Hallo Herr Müller, Ich habe vor kurzem Ihren Roman „Die Siedler von Vulgata“ verschlungen. Ich fand ihn sowohl spannend, als auch angenehm zu Lesen und zum Nachdenken anregend. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, statt einem historischen Roman ein Buch über Außerirdische zu verfassen? Glauben Sie selbst an außerirdisches Leben/außerirdische Intelligenz oder ist dies nur ein fantastischer Kontext für Ihr Buch?

Titus Müller (TM): Hallo Herr de West. Was für ein schöner Name! Zum Sciencefiction-Roman kam es durch eine Begegnung mit Klaus Frick, dem Chef der größten Weltraumserie der Welt: Perry Rhodan. Er fragte mich, ob ich als Gastautor einen Roman für die Serie schreiben würde, und ich hatte Lust darauf, mal „Urlaub in der Zukunft“ zu machen. Dieser Roman bildet nun den ersten Teil der „Siedler von Vulgata“. Ob ich selbst an außerirdisches Leben glaube? Selbstverständlich! Gott ist ein Außerirdischer. Die Engel genauso. Außerdem werden in der Bibel im Buch Hesekiel derart seltsame Geschöpfe beschrieben, daß ich keine Zweifel daran habe, daß Gott beim Erschaffen des intelligenten Lebens anderswo genauso kreativ war wie bei unserer irdischen Schöpfung.

EN: Sie wurden für Ihr Buch mit dem C.S.-Lewis Preis ausgezeichnet. Durch die Verbindung von philosophisch-christlichen Inhalten mit Science Fiction drängt sich eine Parallele zur Perelandra-Trilogie ja geradezu auf. War diese für Sie eine Inspirationsquelle und was hat Sie daran besonders beeindruckt?

TM: Es ist etliche Jahre her, daß ich die Perelandra-Trilogie gelesen habe. Aber ich erinnere mich, daß ich bis tief in die Nacht nicht aufhören konnte zu lesen, so gefesselt war ich, vor allem vom dritten Band. Ob mich die Romane beeinflußt haben? Sicher. C.S. Lewis schildert beispielsweise die Engel – er nennt sie Eldila – konsequent als ehrfurchtgebietende, fremdartig schöne Lebewesen. Sie sind bei ihm Außerirdische, nicht dreijährige Menschen mit Taubenflügelchen. Ich bin überzeugt davon, daß er der Realität nähergekommen ist als die meisten Kirchengemälde.

EN: Ihr Buch ist voller Verweise auf biblische Geschichten und auch der Blickwinkel der Hauptfigur ist ein spezifisch christlicher. Glauben Sie,
dass man das Buch ohne Bibelkenntnisse „verstehen“ kann?

TM: Ich habe nach dem Erscheinen der „Die Siedler von Vulgata“ ungewöhnlich viel Leserpost bekommen, mitunter Dutzende Mails und Briefe am Tag. Deshalb kann ich mit Überzeugung sagen: Die Leser haben den Roman verstanden, ob sie nun Christen waren oder nicht.

EN: In vielen Bereichen der Handlung scheinen die jüdischen Urväter und die Richter-Erzählungen der Bibel Pate gestanden zu haben. Sehen Sie diese Parallelen und waren sie beabsichtigt?

TM: Da müßten Sie konkreter sagen, was Sie meinen. Ich vermute, daß vieles unbewußt hineingekommen ist. Ich habe beim Schreiben nicht überlegt: Was könnte ich mal noch aus der Bibel übernehmen? Meine Grundfrage war vielmehr, was nach etlichen Jahrhunderten aus der Kirche werden könnte, und wie sie zu ihren Ursprüngen zurückfinden kann.

EN: Im Umgang mit dem Alten Testament stellt sich oft die Frage nach (Feindes-)Liebe und (Staats-)Gewalt. Wie lösen Sie für sich diesen
Konfliktbereich? Wie ordnen Sie die verschiedenen im Buch dargestellten Konzepte ein?

TM: Feindesliebe ist ein Thema im Roman. Das andere ist für mich aber nicht die Staatsgewalt, sondern Darwins Grundsatz des „Survival of the fittest“. Die Galchinen leben in ihrer Gesellschaft streng nach dem Grundsatz, daß der Stärkere im Recht ist. Schon nach dem Schlüpfen töten sich die jungen Galchinen gegenseitig, bis nur noch die Stärksten überleben. Sie empfinden das nicht als falsch – es ist für sie logisches und richtiges Verhalten. Ich wollte hier zwei Dinge erreichen: Zum einen wollte ich den Lesern zeigen, wo wir landen, wenn wir unsere Gesellschaft immer weiter nach Darwin ausrichten („Der ist zu dumm zum Arbeiten? Selbst schuld.“). Ich glaube nicht, daß viele diese Weltanschauung bis zu Ende denken. Evolutionsgläubige müßten ja eigentlich jubeln, wenn eine Tierart ausstirbt, weil wir uns als die Stärkeren erwiesen haben. „Juchhu, wir haben die Geparden verdrängt!“ Zum anderen wollte ich für mich selbst ausprobieren, was geschieht, wenn die zwei Konzepte aufeinanderprallen und es zum Kampf kommt. Kann die Feindesliebe gegen eine kriegerische, harte Gesellschaft bestehen? Das Ergebnis ist nicht so einfach und schmerzfrei gewesen, wie ich zunächst erhofft hatte.

EN: Was war für Sie die größere Herausforderung beim Verfassen des Buches – die Entwicklung des Plot, das Einarbeiten philosophischer/christlicher Themen oder die sprachliche Realisierung?

TM: Beim Plot hatte ich Schwierigkeiten, weil die lange Rückblende zu Beginn keine Cliffhanger ermöglicht. Andererseits sollten aber gleich die Außerirdischen auftreten. Ich mußte hier plottechnisch einen Kompromiß schließen.

EN: Im Buch werden ja viele verschiedene Themen angesprochen: Feindesliebe, aus dem Ruder geratene religiöse Traditionen, Technikfeindlichkeit, die Vereinbarkeit einer liebevollen Partnerschaft mit einer exponierten gesellschaftlichen Stellung und Vergebung, um nur einige zu nennen. Gibt es eine Hauptaussage, die Sie den Lesern des Buches vermitteln möchten oder verstehen Sie sich mehr als Denkanreger, der die Leser auf bestimmte Gedankengänge stoßen möchte?

TM: In erster Linie erzähle ich eine Geschichte. Das ist ja kein Unterricht, sondern eine Art Zeitreise, ein Vergnügen. Daß ich zum Nachdenken anregen will, steht außer Frage, aber ich möchte die Geschichte nicht auf eine Hauptaussage reduzieren. Am liebsten ist es mir, wenn jeder Leser selbst auf die Suche geht und seine eigenen Schlüsse zieht.

EN: Die Endphase des Romans wirkte auf mich ein wenig abrupt. Gab es eine längere Fassung der Geschichte?

TM: Nein. Ich bedaure, daß Ihnen das Ende zu plötzlich kam. Romanenden sind die schwierigste Aufgabe im Autorenberuf, glaube ich.

EN: Der C.S.Lewis-Preis bestand ja zu einem großen Teil in einer kreativen Zeit auf der Isle of Wight. Wofür haben Sie ihn genutzt und
was dürfen wir literarisch in Zukunft von Ihnen erwarten?

TM: Auf der Isle of Wight habe ich neben herrlichen Spaziergängen am Meer an einem neuen historischen Roman geschrieben. Darin geht es um einen Mann, der verzweifelt versucht, gut genug zu sein, um Gott zu gefallen. Und um den Kaiser, eine junge Frau, und jemanden, der bereits in einem berühmten historischen Roman die Hauptrolle spielt.

EN: Vielen Dank für das Interview.

TM: Gern geschehen!

Wer mehr über Titus Müller erfahren möchte, besucht am besten seine Webseite www.titusmueller.de!

Okt 12

Titus Müller: „Die Siedler von Vulgata“

Der durch diverse historische Romane aufgefallene junge (!) deutsche Autor Titus Müller hat mit „Die Siedler von Vulgata“ einen Science-Fiction Roman vorgelegt. Der wurde auch noch sofort mit dem C.S. Lewis-Preis ausgezeichnet. Der verstorbene Oxforder C.S. Lewis ist neben den Narnia-Romanen auch durch seine Perleandra-Triologie bekannt geworden, die von – damals revolutionären – Reisen zu fremden Planeten und philosophischen Problemstellungen handeln.
In die Siedler von Vulgata – der erste Teil des Buches wurde übrigens zuerst als PR 2319 im Rahmen der Serie “Perry Rhodan” veröffentlicht – handelt vom Volk der Terraner, die auf Vanderbeyten (einem erdähnlichen Planeten) in einem von einem Patriarchen regierten Volksverbund leben. Einst Flüchtlinge einer hochentwickelten Zivilisation wurde aus Gründen der Neutralität auf jegliche Technologie verzichtet. Die Religion besteht aus über 500 Geboten, die für alle verpflichtend sind. Als Außerirdische Vanderbeyten einen Besuch abstatten und der 15jährige Arrick deren Gespräch mit dem Patriarchen belauscht, kommt es zur Spaltung unter den Terranern. Die Situation verkompliziert sich einige Jahre später, nachdem ein weiteres Raumschiff mit abstossend aussehenden Vertretern einer weiteren Rasse – den Galchinen – landet. Diese bitten um Asyl, hüten aber ein Geheimnis. Arrick hat beim Patriarchen jedoch eine „Interkosmo-Ausgabe der Heiligen Schrift“ gefunden und fühlt sich durch die göttlichen Gebote gedrängt, den Galchinen zu vertrauen.
Das Buch ist spannend geschrieben, ohne zu sehr auf das Tempo zu drücken. Es gibt viele gute und originelle Ideen (z. B. die Schakrakeie – eine papageiähnliche Tierart und die mörderischen Spinnen, die die weitere Eroberung der Insel für die Siedler erschweren).
Was das Buch besonders macht ist unter anderem, dass es eine Vielzahl biblischer Bezüge im Buch zu entdecken gibt. Neben direkten Zitaten wird vor allem die Frage thematisiert, wie weit Feindesliebe gehen soll und Pathos und Handlungsweise des jungen Arrick erinnert stellenweise sehr stark an die biblischen Erzählungen über Propheten und Urväter. So wird das Buch zu mehr als nur zu guter Unterhaltung – und das allein wäre schon einen Blick wert gewesen. Insofern ein absolut würdiger Gewinner des C.S. Lewis-Preises, der ebenso ewige Wahrheiten mit interessant erzählen Geschichten zu verbinden wusste.
Leider kommt das Ende der Geschichte etwas plötzlich und man hätte dem Buch noch deutlich mehr Seiten gewünscht. Die hätten unter anderem dafür genutzt werden können, um der Beziehung zwischen Arrick und Murielle noch etwas mehr Tiefgang zu verpassen.