Feb 26

Henning Mankell: Die falsche Fährte

Worum geht’s?

Im fünften Band, wird Kommissar Wallander mit einem Serienmörder konfrontiert, der die schwedische Provinz aufmischt. Gleich das erste Opfer ist sehr prominent: Der ehemalige Justizminister des Landes und der hat – wie sich bald herausstellt – gehörig Dreck am Stecken. Doch auch die weiteren Opfer entstammen teilweise höchsten gesellschaftlichen Kreisen und der Druck auf die Ermittlung wächst.
Mehr Infos zum Inhalt gibt es bei Wikipedia.

Und – wie war’s?

Eigentlich mag ich überhaupt keine Serienmörder-Filme oder Bücher. Dadurch wird meiner Meinung nach ohnehin psychisch gestörten Personen Anschauungsmaterial zur Anstachelung ihrer kranken Phantasien geliefert. Trotzdem kann ich dieses Buch durchaus empfehlen – warum das kein Widerspruch ist, kann ich hier schlecht darlegen, ohne zu viel von der Handlung zu verraten. Der Mörder ist dem Leser schon relativ bald bekannt und man kann sich daher in seine kaputte Denkweise mit eindenken. Die Bemühungen der Polizei zur Aufklärung der Morde verfolgt man daher aus der komfortablen Position des wissenden Beobachters. Das nimmt der Geschichte aber absolut nichts von seiner Spannung. Im Gegenteil: Man mag das Buch fast nicht weglegen.

Am Ende des Buches bleibt trotz erfolgreicher Aufklärung aber leider doch eher Resignation übrig. Der Mörder ist gefasst, aber das wahre Verbrechen bleibt weitgehend ungesühnt und es ist hauptsächlich eine Tür aufgestossen in die Abgründe einer dekadenten Gesellschaft, die außer Kontrolle gerät.

„Die falsche Fährte“ gibt es als Taschenbuch, Gebundene Ausgabe und als Hörbuch. Es gibt eine Verfilmung auf DVD aus dem Jahr 2001. 2008 lief außerdem eine Neuverfilmung mit Kenneth Branagh.

Feb 06

Henning Mankell: Die Hunde von Riga

Worum geht’s?

Kurt Wallanders zweiter Fall beginnt mit zwei erschossenen Toten, die in einem Rettungsboot in Schweden an Land gespült werden. Was folgt sind Ermittlungen, die Wallander nach Lettland führen – geograpisch eine eher kleine Reise, aber das was ihn dort erwartet scheint unendlich weit weg. In einem undurchsichtigen Spiel auf unbekanntem Terrain, bei dem mit scharfen Waffen geschossen wird und man sich nie sicher sein kann, wem man trauen, was Einbildung und was Wirklichkeit ist, begegnet der Kommissar Menschen auf verschiedenen Seiten des Gesetzes.

Und – wie war’s?

„Die Hunde von Riga“ liest sich streckenweise wie ein Spionageroman aus dem Kalten Krieg. Hier wird alles aufgeboten, was man aus einschlägigen Filmen und Büchern so kennt – von versteckten Botschaften über Beschattungen bis hin zu Verfolgungsjagden und dem Abtauchen in den Untergrund. Das Ende des Buches ist mir persönlich eine Spur zu weit gedreht und die Tendenz zum Alleingang seitens des Protagonisten beginnt mich zu nerven. Sprachlich kommt das Buch karg und wie ein Tatsachenbericht daher. Die Stimmung in den grauen Häuserschluchten Rigas ist sehr plastisch dargestellt. Bei den Dialogen hätte ich mir mehr Würze gewünscht – andererseits ginge das wohl nur auf Lasten der Authentizität. Auf jeden Fall spannend zu lesen!

„Die Hunde von Riga“ gibt es als Taschenbuch, als Gebundene Ausgabe und als Hörbuch. Außerdem gibt es eine Verfilmung über deren Qualität ich jedoch keine Aussage machen kann.

Jan 25

Henning Mankell: Der Mann, der lächelte

Kommissar Wallanders vierter Fall spielt komplett in Schweden, weist jedoch über das Land hinaus.

Worum geht’s?

Eigentlich hat Wallander genug eigene Probleme und möchte seinen Dienst quittieren. Die Krankschreibung liegt schon vor und er muss sie nur noch abgeben. Doch dann wird ein Freund, der sich ihm anvertraut hatte ermordet und er fasst den Enschluss, wieder einzusteigen. Sein neuer Fall entführt ihn in eine neue Welt: Ein unglaublich reicher und angesehener international erfolgreicher Geschäftsmann scheint in einen groß angelegten Betrug verwickelt zu sein. Zusammen mit der neuen Kollegin Ann-Brit Höglund geht er den blutigen Spuren nach.

Und – wie war’s?
War der dritte Wallander in Folge zu viel für mich? Spannungstechnisch ist „Der Mann, der lächelte“ eine echte Perle. Die Story entwickelt sich gegen Ende zu allerdings sowohl recht platt, als auch vorhersehbar. Die Motivation Wallanders, alles alleine machen zu wollen erscheint mir dabei ebenso unrealistisch wie nervig. Sozusagen, wie ein schlechter Krimi. Die komplexen Zusammenhänge zwischen Kapital. Politik, Machtbesessenheit und Blendertum versteht Wallander bis zum Schluss nicht – und dem Leser werden sie auch nicht schlüssig dargelegt. Und die Tendenz immer noch ein Klischee draufzupacken sorgt auch nicht gerade für ein gefühl fundierter Recherche.
Die Figuren der Schonener Polizeiwache habe ich mittlerweile ins Herz geschlossen, so dass ich weiter Wallander lesen werde – eine echte Empfehlung für dieses Buch kann ich aber nicht aussprechen.

„Der Mann, der lächelte“ gibt es als Taschenbuch, Gebundene Ausgabe und als Hörbuch. Außerdem gibt es eine schwedische Fernseh-Verfilmung des Buches als DVD.

Jan 17

Matthias Horx: Future Fitness

Matthias Horx gilt als der einflussreichste Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum.

Das Buch richtet sich als „Handbuch für Entscheider“ an diejenigen, die sich Gedanken darüber machen, wie sie als Person oder Unternehmen fit für die Zukunft werden. Das ist natürlich ziemliches BlaBla und man hat während der Lektüre auch oft den Eindruck, dass hier kein mehrfach reflexiertes wissenschaftliches Werk, sondern ein auf 231 Seiten aufgeblähter Artikel, der aus einer Laune entstanden ist vor einem liegt. Man sollte sich jedoch weder vom lockeren Tonfall, den plakativen Beispielen noch dem quietschfarbenen Cover abschrecken lassen (ganz zu Schweigen vom allseits vorherrschenden Denglisch mit gefühlten 200 Wortneuschöpfungen).

Hinter all dem Marketing-Tralala verstecken sich einige wirklich gute Gedanken und wer aufmerksam liest, wird einige Zusammenhänge entdecken, die man noch gar nicht selbst bedacht hat, die aber sofort logisch erscheinen. Und einige Analysen sind wirklich lesenswert. So stellt Horx beispielsweise der – gescheiterten – New Economy die zukunftsträchtige „Next Economy“ entgegen und legt am Ende des Kapitels die Unterschiede in Tabellenform dar:

New Economy Next Economy
Turbo-Wachstum Organisches Wachstum
Technologie Systemeleganz
Börsenwert Langfristiger Wert
Risikokapital Humankapital
Innovation total Konsequente Verbesserung
Markt-Eroberung Nischen-Orientierung
Risiko Identität
Gurus Moderatoren
Marktanteil Adaptionsfähigkeit

Über jeden dieser Punkte könnte man wahrscheinlich einen Vortrag halten. Und ehrlich gesagt glaube ich, dass die „Next Economy“ mir mehr liegen wird als die „bad old New Economy“. Das macht Hoffnung. Und diese zu vermitteln scheint Horx generell ein Anliegen zu sein.

Mein Fazit

„Future Fitness“ gibt keine 10-Punkte-Listen her, die man abarbeiten kann. Aber es regt zum Denken an. Und es ist so geschrieben, dass man es tatsächlich gerne liest.

„Future Fitness“ gibt es nur als Gebundene Ausgabe.

Jan 17

Henning Mankell: Die weiße Löwin

Kommissar Wallanders dritter Fall. Ja, ich habe den zweiten übersprungen. Ich wollte unbeding weiter lesen und wollte nicht warten, bis ich den zweiten Band bekomme. Geschadet hat es nichts. Teil zwei werde ich nachholen…

Worum geht’s?

In der schwedischen Provinz geschehen seltsame Dinge, die Auswirkungen auf die politische Situation im Südafrika kurz vor der ersten Wahl nach der Entlassung Nelson Mandelas haben könnten. Die Ermittlungen in diesem Fall verändern Wallander massiv und seine Befürchtungen, dass es mit der ruhigen Zeit für die Kleinstädte vorbei geht scheinen sich zu bestätigen. Die Beziehung zu seiner Tochter verbessert sich, wird aber auf eine harte Probe gestellt, während sein Vater mit einer überraschenden Ankündigung von sich hören lässt.

Und – wie war’s?

Der Leser erfährt zum einen von den losen Enden, die in den schwedischen Ermittlungen einfach nicht zusammen kommen wollen und den Hintergründen, die in Hinterzimmern in Südafrika geplant werden. Man hat also einen gewissen Wissensvorsprung und den braucht man auch, wenn man nicht zu lange im Dunkeln tappen will. Geschrieben ist der Roman aus verschiedenen Perspektiven. So erhält man als Leser einen ganz besonders intensiven Eindruck in die Beweggründe und Denkweise der verschiedenen Akteure aller Seiten. Das Thema „Afrika“ hat Mankell sicher nicht zufällig gewählt haben. Er lebt seit etlichen Jahren abwechselnd in Schweden und in Mosambique. Außerdem engagierte er sich schon sehr früh in der Anti-Apartheid-Bewegung.

„Die weiße Löwin“ gibt es als Taschenbuch, Gebundene Ausgabe und als Hörbuch.

Jan 11

Henning Mankell: Mörder ohne Gesicht

Eigentlich bin ich ja kein Krimi-Leser. Für die Kommissar-Kurt-Wallander-Reihe von Henning Mankell habe ich mich aber so interessiert, dass ich tatsächlich zum Krimi-Leser geworden bin. Ein neues ungewohntes Genre für mich.

Worum geht’s?

Kommissar Kurt Wallander ist ein Provinzpolizist in der Midlife-Crisis in Schonen, einem etwas abgelegenen Teil Schwedens. Er trinkt öfters mehr als ihm guttut, redet Dialekt und wundert sich über die Veränderungen in seinem Umfeld und auf seiner Arbeit (so kann er sich zum Beispiel überhaupt nicht mit den neuen Computern anfreunden). Die Handlung spielt 1990 und erzählt von einem brutalen Mord auf einem relativ einsamen Bauernhof. Im Laufe der Ermittlungen zeigt sich, dass vieles nicht ganz so heil ist in dieser Welt, wie es vorher angenommen wurde.

Und – wie war’s?

Neben der Lösung des Kriminalfalles geht es aber auch viel um die privaten Verhältnisse des Kommissars: seine Ex-Frau, seine Tocher, seinen Vater und sein Verhältnis zu sich selbst. Hier freue ich mich schon auf die Fortsetzungen, die diesen Teil weiter erzählen. Die Arbeit der Polizei wird – soweit ich das beurteilen kann – realistisch beschrieben. Mit falschen zu frühen Schlussfolgerungen, die die Ermittlung verzögern, mit viel Kleinkram, mit monatelangen Ermittlungen bei denen es nicht täglich eine bahnbrechende Erkenntnis gibt und mit menschlichen Schwächen bei den Polizisten selbst.
Geschrieben ist das ganze etwas sperrig, aber liebenswert. Keine besonderen Konstrukte in der Sprache. Meist sehr sachlich.

„Mörder ohne Gesicht“ gibt es als
Taschenbuch, Gebundenes Buch und als Hörbuch.

Nov 26

Cornelia Funke: Tintentod

Heiß von mir erwartet, waren die 739 Seiten des letzten Bandes der Tintenwelt-Triologie quasi Kanonenfutter für meine Augen. (Viel zu) schnell war alles vorbei.

Worum geht es?
Mortimer ist von der Nachtburg entkommen – aber zu einem hohen Preis, denn der Natternkopf ist praktisch unsterblich geworden und Staubfinger wurde getötet. Keine leichte Ausgangslage, zumal sich Mortimer immer mehr mit der Rolle des Eichelhähers identifiziert, Farid in Bezug auf Meggie einen Konkurrenten bekommt und ein neuer Mitspieler die Tintenwelt ordentlich aufmischt. Fenoglio schreibt nicht mehr und die Silbernase scheint immer mehr freie Bahn zu bekommen.
Neben den aus dem zweiten Band bekannten Figuren, werden einige neue Charaktere und Orte eingeführt. Die Spannung steigt zu Beginn enorm an, flacht dann etwas ab und steigert sich gegen Ende noch einmal gewaltig.

Mein Fazit
Ähnlich wie bei Harry Potter scheint auch hier die Autorin davon auszugehen, dass die Leserschaft mitwächst. Was in Tintenherz als Kinderbuch anfing, wird immer düsterer und ist für zu junge Leser nicht mehr zu empfehlen. Gegen Ende zu wird auch ein hohes Maß an Abstraktionsvermögen verlangt, um den etwas verworrenen Plot noch zu durchschauen. Cornelia Funke hat sich nicht auf dem Erfolg ausgeruht, sondern mit Tintentod wieder einiges Neue gewagt. Besser als bisher ist auch die Auswahl der Literaturzitate zu Beginn jedes der vielen Kapitel gelungen.

Gute Unterhaltung!

„Tintentod“ gibt es als Gebundenes Buch und als Hörbuch.

Nov 16

Cornelia Funke: Tintenblut

Nach der Lektüre von Tintenherz hatte ich den Kauf der zwei Nachfolgebände ja praktisch schon bereut und entsprechend lange hat es gedauert, bis ich mich an Tintenblut gewagt habe. Der erste Band war mir einfach zu sehr Kinderbuch, zu wenig spannend und überhaupt habe ich den ganzen Hype nicht verstanden. Jetzt also der zweite Band der Tintenwelt-Triologie: Tintenblut.

Worum geht es?
Einige unangenehme Figuren aus dem ersten Teil tauchen plötzlich wieder auf und stören die mittlerweile eingetretene Familienidylle empfindlich. Zudem lesen sich immer mehr Figuren in die Geschichte von Tintenherz hinein (verschwinden also in der Geschichte und „leben“ dort weiter). Fenoglio (der Autor von Tintenherz) entdeckt, dass er teilweise die Geschichte durch Schreiben verändern kann, sich aber auch immer mehr eine Eigendynamik entwickelt, die er nicht mehr steuern kann. Die bösen Kräfte der Tintenwelt gewinnen an Gewicht, während die Gegenspieler immer mehr dezimiert werden, was zu einem spannenden Finale führt. Es ist jedoch klar, dass dies noch nicht das endgültige Ende sein kann, so dass der Abschlussband „Tintentod“ vorbereitet wird.

Und – wie war es?
Endlich gewinnt die Geschichte an Fahrt, Kreativität und Klasse. Und jetzt aber so richtig. Ein richtiger Schmöker, den ich kaum noch aus der Hand legen wollte. Sprachlich nach wie vor eher schlicht, aber durch den Wechsel in die Fantasy-Welt von Tintenherz jetzt tatsächlich interessant. Bin schon sehr gespannt auf den dritten Band Tintentod.

Tintenblut gibt es als Gebundenes Buch und als Hörbuch.

Nov 02

Adrian Plass: Bratwurst mit Senf und Seelenheil

Untertitel „Mein ultimatives Wörterbuch des wahren Glaubens“

Originaltitel: „Bacon Sandwiches and Salvation. An A-Z of the Christian Life“

Adrian Plass Neuerscheinung vom September gehört zu der Schiene seiner Bücher, die vordergründig auf Lacheffekte setzen, aber durchaus auch Substanz haben. Das „Wörterbuch“ enthält teilweise sehr gut gelungene Definitionen, wie z. B.

Christliche Buchhandlungen: Geschäfte, die eine breite Auswahl enger Literatur anbieten.

Fragen:sehr nützlich, solange es nicht solche zielstrebigen Sackgassenfragen sind wie die, die man manchmal von Hauskreisleitern hört, wie zum Beispiel: „Nachdem wir nur den Abschnitt gelesen haben – was meint ihr, war der Aussätzige froh über seine Heilung oder nicht?“

Manchmal hat er sich auch einfach nur ausgetobt um Quatsch zu erfinden, wie z. B.:

Büffet:Beliebte Form gemeinsamer Mahlzeiten in der Gemeinde. Hauptursache für die große Zazikiflut von 1964, bei der viele evangelikale Christen in den gewaltigen Mengen der schmackhaften weißen Sauce, die sich in den Gemeindehäusern ansammelte, zu ertrinken drohten.

Daneben finden sich auch längere Abschnitte mit kleinen Theaterstücken zu einem Stichwort oder auch längere Absätze über ein Thema (Mein Favorit dabei: „Christliche Zeitschriften“). Gegen Ende ist auch eine Kurzgeschichte zu finden, die sich hinter dem Stichwort „Zefanja“ versteckt.

Wie gewohnt hinterfragt Adrian Plass – teilweise sogar recht bissig – so einiges, was ihm in der christlichen Landschaft zu verkrustet, oberflächlich oder einfach falsch vorkommt. Das klingt dann zum Beispiel so:

Habgier:1. unangenehm raffsüchtige Neigung, im krassen Gegensatz zur eigenen ausgewogenen, zurückhaltenden, eher sich bescheidenden und zutiefst geistlichen Haltung zum Erwerb von Geld und Besitz; 2. erheblich schwerere und in der christlichen Gemeinde weiter verbreitete Sünde als diejenigen, um die immer so viel Aufhebens gemacht wird

Er ist ein lieber, netter Kerl: Formulierung zur moralischen Rechtfertigung dafür, im Folgenden all die herrlich faszinierenden Merkmale der fraglichen Person aufzuzählen, die überhaupt nicht lieb und nett sind

In den letzten Jahren scheint auch immer wieder sein Engagement für die Dritte Welt bei „World Vision“ durch. Die vielfach vorherrschende Ignoranz gegenüber den Themen, die nicht unsere westliche Wohlstandswelt betreffen thematisiert er unter anderem so:

Bangladesch: Land, in dem fünf Millionen Kinder jeden Tag ums Überleben kämpfen. Wohl kaum ein religiöses Thema. Lesen Sie schnell weiter.

Ich habe teilweise Tränen gelacht beim Lesen, musste aber feststellen, dass man auch in Stimmung sein muss, um das Buch wirklich geniessen zu können. Die Übersetzung war sicherlich nicht leicht. Unter anderem auch, weil es mal wieder jede Menge Anagramme gibt ( z. B. „Fundamentalist“ = „Und Satan filmte“ und „Saftladen im Tun“). Manche Einträge kann man auch als Nicht-Engländer nur schwer verstehen – viele Namen und Ereignisse scheinen sehr spezifisch englisch zu sein. Die Frage ob man aus „Bacon Sandwiches“ unbedingt eine „Bratwurst mit Senf“ machen musste bleibt unbeantwortet – nicht jedoch die Frage wie es überhaupt zu dem Titel kam. Das wird nämlich in der Einleitung verraten und da will ich nicht vorgreifen.

Als Lektüre für Zwischendurch oder zum Doch-noch-nicht-gleich-Einschlafen sehr zu empfehlen!

„Bratwurst mit Senf und Seelenheil“ gibt es als Paperback auf deutsch oder englisch.

P.S.: Es gibt auch Einträge, deren Sinn sich mir nicht wirklich erschliesst und wo man sich schon fragen muss, ob der Autor nicht „ein Stück weit“ über das Ziel hinausgeschossen ist:

Brüste:Von Salomo (der angeblich etwas von Frauen verstand) beschrieben als „junge Zwillinge von Gazellen, die unter den Lilien weiden“. Man kann nur vermuten, dass dem ein anfängliches Missverständnis zugrunde lag, das von den Untergebenen des kurzsichtigen Königs noch bestärkt wurde, indem sie dafür sorgten, dass alle seine Frauen sich ihm stets rückwärts näherten, auf dem Rücken einen Rucksack mit einem Strauß Blumen und einem Pärchen hungriger Frettchen darin.

Sep 24

Giovannino Guareschi: Don Camillo und seine Herde

Der zweite Band der Erfolgsserie der 50er Jahre aus der harten italienischen Bassa hielt auch wieder einige kleine Schätze parat. Dieses mal wusste ich besser als beim ersten Band, was mich tatsächlich erwartet. Wieder mal wird die europäische Nachkriegswelt im Gesamten als kleinen innerhalb eines italienischen Dorfes abgebildet. Die stalinistischen Anhänger des Bürgermeisters und „roten“ Parteiführers Peppone legen sich immer wieder mit dem konservativen Kirchenmann Don Camillo an, der es ebenfalls nicht lassen kann gegen die Gegenpartei zu sticheln. Und wie immer gilt: Der Begriff Hassliebe hat in diesem ungleichen Paar wohl sein deutlichstes Beispiel erhalten.

Die einzelnen Geschichten erzählen von vielen verschiedenen Themen, die im Dorf auftauchen. Oft geht es dabei um den Krieg und seine Nachwirkungen. Manche Geschichten enden auch alles andere als versöhnlich sondern mit tragischen Schicksalen, Selbstmorden und Unglücksfällen, die vermieden hätten werden können. Klassischer Punkt fast aller Geschichten ist eine Zwiesprache Don Camillos mit einem Kruzifix (als Don Camillo wegen einer schlimmen Schlägerei in ein Bergdorf versetzt wird, trägt er dieses übrigens eigenhändig eine unmenschliche Strecke bergauf), bei der regelmäßig Christus vom Kreuz den schlitzohrigen Priester hinters Licht führt.

Ein besonders nettes Beispiel für die im Buch immer wieder auftretende Haßliebe ist folgende Stelle:

„Die Leute krepieren hier vor Hunger, weil es keine Arbeit gibt“, sagte Manasca, der ein Schlaumeier war. „Ihr Proletarier mit euren roten Halstüchern seid aber auch eine so verfluchte Rasse, dass es wirklich eine Schande wäre, euch Arbeit zu geben.“
„Aber keine solche Nichtstuer-Kanaille wie ihr Herren“, antwortete Peppone friedlich. „Den Besten unter euch sollte man mit dem Darm des Schlechtesten erwürgen.“
Peppone und Menasca hatten jeden Tag bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr miteinander gerauft; begonnen hatten sie im Alter von drei Jahren. Sie waren große Freunde und verstanden sich sogleich. Peppone fragte ihn, worauf er eigentlich hinauswolle.

„Don Camillo und seine Herde“ gibt es sehr günstig gebraucht als Gebundenes Buch.