Sep 08

Guter Offline-Service – das Erfolgsgeheimnis guter Online-Shops

Was macht einen erfolgreichen Online-Shop aus? Meiner Meinung nach nicht nur ein einfach und intuitiv zu bedienender Webauftritt, sondern auf Dauer vor allem ein verlässlicher Offline-Service. Denn wenn man das Gefühl hat, bei Problemen im Stich gelassen zu werden, dann kauft man dort einfach nicht mehr ein.
Positives Beispiel: Amazon. Die Ausgangslage: Länger im Urlaub gewesen. In der Zeit ist ein Päckchen mit 3 Büchern gekommen. 3 Wochen danach holt man das ganze beim Nachbarn ab und – dummerweise – hat die Post anscheinend Mist gebaut. Der Karton sieht etwas komisch aus, wird von einer seltsamen Packschnur zusammengehalten und enthält dummerweise nur 1 der 3 Bücher. „Wie soll ich jemals beweisen, dass
a) da tatsächlich nur 1 Buch drin war und
b) ich das Päckchen erst heute bekommen habe?“ fragt mich da mein geschultes Servicewüsten-Gehirn. Die gute Nachricht: Brauch ich gar nicht! Ich gehe auf die Webseite von Amazon, gebe an, dass ich zurückgerufen werden möchte (=keine Kosten für mich!), warte eine Viertelstunde und habe jemand am Hörer. Ich gebe meine Bestellnummer an und schildere kurz den Sachverhalt. Die einzige Nachfrage: „Welches Buch war denn drin?“. Und dann noch die Zusicherung, dass ich die anderen noch mal zugeschickt bekomme. Ein echtes 2-Minuten-Gespräch. Wow. Da kauf ich gerne wieder ein.

Sep 07

Wunderschönes Märchen über Suchmaschinenindizierung

Ein Suchmaschinenrobot will nach einem harten Arbeitstag nur noch ein Bierchen trinken. Da kommt dieser yuppige Webdesigner-Fuzzi und labert ihn blöd von der Seite an… und was dann kommt ist unterhaltsam und lehrreich. Nachzulesen unter www.woodshed.de/publikationen/dialog-robot.html.
Eigentlich Pflichtlektüre für alle, die immer noch nicht glauben wollen, dass Flash nicht alles ist. Oder wissen wollen, warum ihre Seite nicht in Suchmaschinenergebnissen auftaucht. Oder einfach nur mal gepflegt Nerd-like ablachen wollen.

Sep 03

Alex Garland: Der Strand

1996 erschien das Buch als Debutroman und wurde international groß gefeiert. Auch eine Verfilmung mit Leonardo di Caprio liess nicht allzu lange auf sich warten, wodurch das Buch noch bekannter wurde. Ich habe das Buch erst – 2 Jahre – nach dem Film gelesen, dafür aber in Thailand.
Grob gesagt geht es um Rucksacktouristen/Traveller/Backpacker, die einen einsamen „unversauten“ Strand suchen. Einen Strand mit Touristen zu teilen und evtl. sogar noch Annehmlichkeiten der Zivilisation wie Toiletten, Kühlschränke und Restaurants in Anspruch zu nehmen scheint ihnen unannehmbar. Das erinnert teilweise etwas an die Aussagen von „Philippe“ in „Phaic Tan. Land des krampfhaften Lächelns„, einem Fake-Reiseführer. Dieser geheime Strand existiert tatsächlich und wenn man ein paar Schwierigkeiten (keine Möglichkeit mit dem Schiff hinzukommen, Marihuana-Felder die von Banditen bewacht werden, Sprung in einen meterhohen unbekannten Wasserfall) in Kauf nimmt, kommt man auch hin. Dort wird dann fern aller Zivilisation nicht etwa relaxt, sondern hart gearbeitet und ziemlich viel gekifft. Leider entwickelt sich das Paradies jedoch nach einiger Zeit zum Alptraum, da Haiangriffe, Fischvergiftungen, Kontrollfreaks und die Frage ob das Leben ungeladener Gäste oder die Unberührtheit des Strandes mehr Wert besitzen die Gruppe entzweit und das Leben dort für immer verändert. Und außerdem ist da noch Duffy Duck, der verrückte Freak, der dem Protagonisten am Anfang die Karte zur Insel zuschanzt, bevor er sich die Pulsadern aufschlitzt und ihn fortan in immer heftigeren Tagträumen begleitet.
Das Buch ist spannend geschrieben, die Charaktere werden gut entfaltet, die Sprache ist witzig und es gibt viele schöne Ideen. Teilweise hat mich der Stil ein bißchen an „High Fidelity“ von Nick Hornby erinnert. Was ein bißchen nervt ist das ständige Gekiffe. Fast auf jeder Seite werden Joints gedreht. Aber ansonsten ein gutes Buch für einen (Strand-)Urlaub. Am besten vom Liegestuhl eines mehrsternigen Hotels aus mit einem Drink in der Hand, während man sich fachmännisch massieren lässt. 🙂

Buch bei Amazon auf Deutsch, auf Englisch und die DVD gibts sogar recht günstig.

Aug 30

John LeCarre: The Constant Gardener

Zu LeCarres Buechern habe ich ein gespaltenes Verhaeltnis. Manche sind sehr gut, manche einfach nur schlecht (z. B. „Der Schneider von Panama„). Ausserdem ist der gute Mann ja auch schon etwas in die Jahre gekommen und wahrscheinlich so reich, dass er nicht mehr sein Herzblut in jedes Buch haengen muss. Trotzdem ist ihm mit „Der ewige Gaertner“ (juengst verfilmt mit Ralph Fiennes in der Hauptrolle) meiner Meinung nach ein grosser Wurf gelungen:
Sehr einfuehlsam beschreibt das Buch die – wie im Nachwort ausdruecklich betont: fiktive – Geschichte eines britischen Diplomaten, dessen stark in Afrika-Hilfsorganisationen engagierte Frau ermordet wird, weil Sie es wagte an ein grosses Geheimnis heranzugehen. Hatte er vorher ein gegenseitiges Sich-gegenseitig-nicht-einmischen Agreement mit ihr geschlossen und sich lieber seiner Gartenarbeit gewidmet (daher der Titel), ist er durch Ihren Tod und das seltsame Verhalten seiner Vorgesetzten jetzt auf der Suche nach der Wahrheit.
Ein spannendes Buch, das fast ohne Action auskommt. Ein Buch ueber ruecksichtslose Methoden von Pharmaunternehmen, ueber Hilfsprojekte in Afrika und ein emotional beruehrendes Buch ueber die Liebe eines Mannes zu seiner ermordeten Frau. Bravo.

Buch bei Amazon auf englisch oder deutsch erhaeltlich.

Aug 23

Sven Regener : Neue Vahr Süd

Vom vorher erschienen Nachfolger „Herr Lehmann“ war ich nicht gerade begeister. Zu langweilig. Zu langatmig. Zu lange Dialoge.
Das Prequel „Neue Vahr Süd“ ist deutlich laenger und besteht praktisch auch nur aus Dialogen. Und trotzdem hat mich das Buch vom Hocker gehauen. Richtig witzig. Chaos pur und trotzdem ein gewisser roter Faden durchgehalten.
Worum es geht: Frank Lehmann muss zum Bund – er hat naemlich vergessen zu verweigern, so wie er auch so manches andere vergessen hat in seinem Leben. Zum Beispiel auszuziehen oder sich einfach mal fuer Dinge zu entscheiden. Beides holt er innerhalb des Buches noch nach. Und auch so manches andere noch. Die Bundeswehrbeschreibungen sind sogar fuer mich als Zivi gut zu lesen. Man kann sich das richtig schoen vorstellen und ist froh, das verpasst zu haben. Die politisch ultralinken Mitbewohner von Frank sind etwas sehr weit von heute weg, aber das Buch spielt halt in der Zeit.
Warum ist das Buch lesenswert?
1. Weil es teilweise herrlich absurd ist.
2. Weil man den Anti-Helden irgendwie lieb gewinnt.
3. Weil es gute Unterhaltung ist.

Das muss reichen, finde ich.

Aug 20

Noah Gordon: „Die Klinik“

Noah Gordon wurde hauptsaechlich durch die Medicus-Reihe bekannt. Begeistert von diesen Buechern und als bekennender Emergency-Room-Fan habe ich mir auch das (vor dem Medicus erschienene) Buch „Die Klinik“ gekauft.
Es geht um die Geschichten von drei sehr unterschiedlichen Chirurgen in den USA in den 70er Jahren. Die Charaktere werden gut ausdifferenziert und – aehnlich wie bei ER die Kamera immer mitwandert – wird hier zwischen den Seelen der drei kapitelweise gewechselt wird und immer aus deren Perspektive erzaehlt. Das ist nicht nur erzaehlerisch interessant, sondern macht auch noch Spass zu lesen. Die Geschichten ueber Siege und Niederlagen, die sich teilweise ueberschneiden machen immer Lust aufs Weiterlesen. Absolute Empfehlung. Schade, dass es keine Fortsetzung gibt…