Adrian Plass: Bratwurst mit Senf und Seelenheil

Untertitel „Mein ultimatives Wörterbuch des wahren Glaubens“

Originaltitel: „Bacon Sandwiches and Salvation. An A-Z of the Christian Life“

Adrian Plass Neuerscheinung vom September gehört zu der Schiene seiner Bücher, die vordergründig auf Lacheffekte setzen, aber durchaus auch Substanz haben. Das „Wörterbuch“ enthält teilweise sehr gut gelungene Definitionen, wie z. B.

Christliche Buchhandlungen: Geschäfte, die eine breite Auswahl enger Literatur anbieten.

Fragen:sehr nützlich, solange es nicht solche zielstrebigen Sackgassenfragen sind wie die, die man manchmal von Hauskreisleitern hört, wie zum Beispiel: „Nachdem wir nur den Abschnitt gelesen haben – was meint ihr, war der Aussätzige froh über seine Heilung oder nicht?“

Manchmal hat er sich auch einfach nur ausgetobt um Quatsch zu erfinden, wie z. B.:

Büffet:Beliebte Form gemeinsamer Mahlzeiten in der Gemeinde. Hauptursache für die große Zazikiflut von 1964, bei der viele evangelikale Christen in den gewaltigen Mengen der schmackhaften weißen Sauce, die sich in den Gemeindehäusern ansammelte, zu ertrinken drohten.

Daneben finden sich auch längere Abschnitte mit kleinen Theaterstücken zu einem Stichwort oder auch längere Absätze über ein Thema (Mein Favorit dabei: „Christliche Zeitschriften“). Gegen Ende ist auch eine Kurzgeschichte zu finden, die sich hinter dem Stichwort „Zefanja“ versteckt.

Wie gewohnt hinterfragt Adrian Plass – teilweise sogar recht bissig – so einiges, was ihm in der christlichen Landschaft zu verkrustet, oberflächlich oder einfach falsch vorkommt. Das klingt dann zum Beispiel so:

Habgier:1. unangenehm raffsüchtige Neigung, im krassen Gegensatz zur eigenen ausgewogenen, zurückhaltenden, eher sich bescheidenden und zutiefst geistlichen Haltung zum Erwerb von Geld und Besitz; 2. erheblich schwerere und in der christlichen Gemeinde weiter verbreitete Sünde als diejenigen, um die immer so viel Aufhebens gemacht wird

Er ist ein lieber, netter Kerl: Formulierung zur moralischen Rechtfertigung dafür, im Folgenden all die herrlich faszinierenden Merkmale der fraglichen Person aufzuzählen, die überhaupt nicht lieb und nett sind

In den letzten Jahren scheint auch immer wieder sein Engagement für die Dritte Welt bei „World Vision“ durch. Die vielfach vorherrschende Ignoranz gegenüber den Themen, die nicht unsere westliche Wohlstandswelt betreffen thematisiert er unter anderem so:

Bangladesch: Land, in dem fünf Millionen Kinder jeden Tag ums Überleben kämpfen. Wohl kaum ein religiöses Thema. Lesen Sie schnell weiter.

Ich habe teilweise Tränen gelacht beim Lesen, musste aber feststellen, dass man auch in Stimmung sein muss, um das Buch wirklich geniessen zu können. Die Übersetzung war sicherlich nicht leicht. Unter anderem auch, weil es mal wieder jede Menge Anagramme gibt ( z. B. „Fundamentalist“ = „Und Satan filmte“ und „Saftladen im Tun“). Manche Einträge kann man auch als Nicht-Engländer nur schwer verstehen – viele Namen und Ereignisse scheinen sehr spezifisch englisch zu sein. Die Frage ob man aus „Bacon Sandwiches“ unbedingt eine „Bratwurst mit Senf“ machen musste bleibt unbeantwortet – nicht jedoch die Frage wie es überhaupt zu dem Titel kam. Das wird nämlich in der Einleitung verraten und da will ich nicht vorgreifen.

Als Lektüre für Zwischendurch oder zum Doch-noch-nicht-gleich-Einschlafen sehr zu empfehlen!

„Bratwurst mit Senf und Seelenheil“ gibt es als Paperback auf deutsch oder englisch.

P.S.: Es gibt auch Einträge, deren Sinn sich mir nicht wirklich erschliesst und wo man sich schon fragen muss, ob der Autor nicht „ein Stück weit“ über das Ziel hinausgeschossen ist:

Brüste:Von Salomo (der angeblich etwas von Frauen verstand) beschrieben als „junge Zwillinge von Gazellen, die unter den Lilien weiden“. Man kann nur vermuten, dass dem ein anfängliches Missverständnis zugrunde lag, das von den Untergebenen des kurzsichtigen Königs noch bestärkt wurde, indem sie dafür sorgten, dass alle seine Frauen sich ihm stets rückwärts näherten, auf dem Rücken einen Rucksack mit einem Strauß Blumen und einem Pärchen hungriger Frettchen darin.

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