Ken Follett: Die Tore der Welt

Der Erfolgsautor Ken Follett ist zwar nach wie vor sehr produktiv, hat aber seit 1999 (Die Kinder von Eden) keinen echten Hit mehr gelandet. Zeit also, an seinen mit Abstand größten Hit „Die Säulen der Erde“ anzuknüpfen, wo allein schon die Aussicht, dass es sich um eine Fortsetzung handeln könnte gigantische Verkaufszahlen zu garantieren scheint. Eine Fortsetzung ist es zwar nur insoweit, dass der Band wieder in Kingsbridge spielt – allerdings 200 Jahre später und ohne echten Bezug zur Handlung des Erstlings. Natürlich sind die meisten Themen und Handlungsstränge gleich oder zumindest sehr ähnlich, aber dies gilt – wie Kritiker sicher nicht zu unrecht behaupten – praktisch für alle Ken Follett Bücher, die letztlich alle nach dem gleichen Strickmuster funktionieren.

Die Handlung in Kürze
Merthin (ein Nachfahre von Jack Builder) ist ein sehr begabter Zimmermannslehrling, der unter einem untalentierten neidischen Baumeister arbeitet. Er ist verliebt in die schöne, aber freiheitsliebende Caris. Ein selbstgerichter Prior und sein abgrundtief böser Sidekick, ein aus ärmsten Verhältnissen stammendes Mädchen und ihr schöner Schwarm, ein fieser Ritter, der seine Untergebenen bei jeder sich bietenden Gelegenheit drangsaliert, eine hübsche versnobbte Gräfin und einige andere mittelalterliche Gestalten mehr bieten den Rahmen für die – nicht ganz unabsehbare Handlung.
Im typischen Ken Follett Stil wechselt die Erzählperspektive mit den Figuren und es gibt einige Verwicklungen, bis am Schluß fast alles sein gutes Ende findet.

Fazit
Bei den Säulen der Erde fand ich es bemerkenswert, dass Follett gegen den Trend ausgerechnet Prior Philipp als guten Sympathieträger auswählte, der gegen seine machtgierigen und intriganten Ordenskollegen und Vorgesetzen aufbegehrte und ohne jede Falsch am Schluß siegte (so wie auf der politischen Ebene der König den Gang nach Canossa antreten musste). Bei den Toren der Welt gibt es im kirchlichen Bereich keinen Sympathieträger mehr – alle Beteiligten sind bigott, selbstherrlich und ignorant.
Trotzdem hat er von seinem erzählerischen Talent nichts verlernt. Im Gegenteil – während in manchen seiner Bücher die Figuren allzu einfach und schablonenhaft waren, sind hier alle Hauptpersonen in gewisser Weise gebrochen und komplex. Dass die Handlung zu sehr an Die Säulen der Erde erinnert ist zwar schon erwähnt worden. Es ist aber so offensichtlich, dass ihm einfach keine wirklich neuen Dinge einfallen, dass ich es hier noch einmal betonen muss.

Zu kaufen gibt es „Die Tore der Welt“ bisher nur als Hardcover und als Hörbuch (12 CDs).

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