Carlos Ruiz Zafon: Der Schatten des Windes

Nachdem „Der Schatten des Windes“ für mich seinerzeit des Buch des Jahres war, konnten die Erwartungen an „Das Spiel des Engels“ kaum größer sein. Der Klappentext liest sich fast wie ein Prequel zum Schatten: Wieder geht es um besondere Bücher, schauerliche Geschichten in besonderen Häusern und schliesslich und endlich: um Barcelona, die Heimatstadt Zafons.

Worum geht’s?
Der vom Glück bisher alles andere als begünstigte David Martin wird als Zeitungsjournalist entdeckt und bald durch einen Knebelvertrag zum Schreiben von Schundromanen in hervorragender Qualität für einen Hungerlohn verpflichtet. Er träumt davon, ein eigenes Buch zu veröffentlichen, scheitert jedoch an der Ungnade seiner Umwelt. Nur ein Buchladen des alten Schlages hält ihm die Stange und ermutigt ihn immer wieder. Als ein undurchsichtiger Fremder ihn mit viel Geld für einen Roman engagieren will und er sich auf das dubiose Geschäft einlässt, beginnt seine Welt langsam aber sicher in Brand zu geraten…

Und – wie war’s?
Die Atmosphäre des Buchs ist düster. Noch deutlich düsterer als in „Der Schatten des Windes“, an den man sich ständig erinnert fühlt. Die Ideen sprudeln nicht mehr ganz so massig (obwohl immer noch deutlich mehr Kuriosa zu bestaunen sind, als in den meisten anderen Büchern), der Witz st nicht mehr ganz so treffsicher. Außerdem sterben mir zu viele Protagonisten ohne besonderen Grund.
Dafür ist das Spiel des Engels eines, das sehr packend und spannend ist. Man möchte, man kann das Buch fast nicht aus der Hand legen, auch wenn man am nächsten Tag früh aufstehen muss und eigentlich besser schlafen sollte.
Ich denke das Hauptproblem des Buches sind die sehr hohen Erwartungen, denen es leider nicht gerecht wird. Vor diesem übermächtigen Vorgänger verblasst es und seine Fehler treten zu deutlich zu Tage. Zafon hätte das Setting wechseln sollen, um dieses Problem zu entschärfen, aber bei so vielen Überschneidungen drängt sich der Vergleich zu sehr auf und da kann das Buch nur verlieren.

Das interessante Zitat
Folgendes Zitat fand ich „eselsohrrelevant“ (S. 311), da es vollkommen unvermittelt im Gespräch der Luzifer-Figur mit dem David Martin kommt:

„Und sind sie ein Gläubiger oder ein Skeptiker?“
„Ich bin ein Profi. Und Sie auch. Was wir glauben oder nicht, ist irrelevant für das Gelingen unserer Arbeit. Glauben oder nicth glauben ist eine kleinmütige Frage. Man weiß, oder man weiß nicht. Punktum.“
„Dann muss ich gestehen, dass ich nichts weiß.“
„Folgen Sie diesem Weg, und Sie werden in die Fußstapfen des großen Philosophen treten. Und dazwischen lesen Sie die Bibel von vorn bis hinten. Sie ist eine der größten je erzählten Geschichten. Machen Sie nicht den Fehler, das Wort Gottes mit der Messbuchindustrie zu verwechseln, die davon lebt.“
Je länger ich in Gesellschaft des Verlegers war, desto weniger meinte ich ihn zu verstehen.
„Ich glaube, ich habe den Faden verloren. Wir sprechen von Legenden und Fabeln, und jetzt sagen Sie mir, ich soll an die Bibel glauben, als wäre sie das Wort Gottes?“
Ein Schatten der Ungeduld und Gereiztheit legte sich auf seinen Blick.
„Ich spreche im übertragenen Sinn. Gott ist kein Schwätzer. Das Wort ist Menschenwährung.“
Dann lächelte er mir zu, wie man einem Kind, das die elementarsten Dinge nicht versteht, zulächelt, um es nicht ohrfeigen zu müssen.“

Für alle, die das Buch gelesen habe, hier meine persönliche Theorie zu dem Buch, das David Martin schreibt: (Achtung Spoiler-Alarm!)
Aus diversen Andeutungen meine ich zu erkennen, dass das Buch ohne Probleme „Mein Kampf“ heißen könnte und sozusagen später von Adolf Hitler aus der „Bibliothek der vergessenen Bücher“ entführt wurde 😉 Der religionsersetzende und gleichzeitig menschenverachtend zersetzende Charakter und vor allem die Umsetzung des Verlegertipps, dass unbedingt noch ein „Schuldiger“ eingebaut werden müsse, damit es „funktioniert“ wären damit gut umgesetzt worden.

Derzeit gibt es „Das Spiel des Engels“ leider nur als Hardcover und als Hörbuch (9 CDs).

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