Stieg Larsson: Verblendung, Verdammnis, Vergebung

Die Triologie von Stieg Larsson, dessen Vita wohl schon alleine Stoff für mehrere Bücher geben würde, hat neben einer spannenden Veröffentlichungsgeschichte (3 von ursprünglich 10 geplanten Büchern, Erstling als bester Krimi Schwedens geehrt, posthum mit Preisen überhäuft) auch inhaltlich einiges zu bieten.

Worum geht’s?
Ist natürlich etwas schwierig, wenn man nicht zu viel verraten möchte… Während die deutschen Titel fast schon religiös (schreckliches Wort) klingen – was durch die Cover-Auswahl noch unterstrichen wird – geht es bei den Originaltiteln schon in die richtige Richtung „Männer die Frauen hassen“ (Verblendung), „Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte“ (Verdammnis) und „Das Luftschloss, das gesprengt wurde“ (Vergebung). Im Mittelpunkt stehen stets der pfiffige Journalist Mikael Blomkvist und die außerordentlich spannend gestaltete Figur der Lisbeth Salander, eine sehr intelligente, sozial schwierige junge Frau mit einem sehr eigenen Verhaltenscodex. In Verblendung beginnt alles mit dem sehr viele Jahre zurück liegenden Verschwinden der Nichte eines Großindustriellen, das Blomkvist aufklären soll. In Verdammnis und Vergebung geht es um die Vergangenheit von Lisbeth Salander, die einige Geheimnisse birgt, deren Enthüllung wichtige Leute verhindern wollen. Doch es geht daneben noch um viel mehr: Darum was investigativen Journalismus ausmacht, welche Rolle Massenmedien in der heutigen Gesellschaft spielen, um ein Plädoyer für Toleranz gegenüber Menschen die jenseits des Mainstream leben (ob gerechtfertigt oder nicht sei hier mal dahin gestellt), um Selbstverwirklichung und die Mechanismen, die eine Gesellschaft formen. Hier insbesondere auch um die schwedische Gesellschaft.

Und – wie war’s?
Schwer zu sagen. Fangen wir mal mit dem Positiven an:

Einmal angefangen, lassen die Bücher kaum Raum für andere Freizeitbeschäftigungen. So spannend und einfach gut geschrieben möchte man einfach immer weiterlesen. Die Themenvielfalt (s. o.) geht weiter über klassische Krimis hinaus. Besonders die Einblicke ins Medienbusiness sind sehr spannend und dank der persönlichen Erfahrungen von Larsson (als Herausgeber von EXPO) wohl auch realistisch. Die Bücher verhindern aktiv eine zu starke Identifikation mit den Hauptfiguren, da man an jeder einiges auszusetzen hätte. So gibt es nicht den „strahlenden Held“ ohne Flecken, sondern nur Menschen mit spannenden Biographien und ungeschliffenen Kanten.

Und jetzt, was mir nicht so gut gefallen hat:
Es gibt sehr, sehr viele ekligen Szenen, die man weder sehen noch lesen möchte. Werde mir daher auch den Film eher nicht ansehen. Schade drum, denn diese Szenen trüben zumindest meinen Lesegenuss enorm und sorgen dafür, dass ich die Bücher nur bedingt weiterempfehlen kann. Für die Handlung hätte es auch deutlich weniger explizit gereicht und man fragt sich manchmal, warum Larsson so sehr ins Detail geht.

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