Titus Müller: „Die Siedler von Vulgata“

Der durch diverse historische Romane aufgefallene junge (!) deutsche Autor Titus Müller hat mit „Die Siedler von Vulgata“ einen Science-Fiction Roman vorgelegt. Der wurde auch noch sofort mit dem C.S. Lewis-Preis ausgezeichnet. Der verstorbene Oxforder C.S. Lewis ist neben den Narnia-Romanen auch durch seine Perleandra-Triologie bekannt geworden, die von – damals revolutionären – Reisen zu fremden Planeten und philosophischen Problemstellungen handeln.
In die Siedler von Vulgata – der erste Teil des Buches wurde übrigens zuerst als PR 2319 im Rahmen der Serie “Perry Rhodan” veröffentlicht – handelt vom Volk der Terraner, die auf Vanderbeyten (einem erdähnlichen Planeten) in einem von einem Patriarchen regierten Volksverbund leben. Einst Flüchtlinge einer hochentwickelten Zivilisation wurde aus Gründen der Neutralität auf jegliche Technologie verzichtet. Die Religion besteht aus über 500 Geboten, die für alle verpflichtend sind. Als Außerirdische Vanderbeyten einen Besuch abstatten und der 15jährige Arrick deren Gespräch mit dem Patriarchen belauscht, kommt es zur Spaltung unter den Terranern. Die Situation verkompliziert sich einige Jahre später, nachdem ein weiteres Raumschiff mit abstossend aussehenden Vertretern einer weiteren Rasse – den Galchinen – landet. Diese bitten um Asyl, hüten aber ein Geheimnis. Arrick hat beim Patriarchen jedoch eine „Interkosmo-Ausgabe der Heiligen Schrift“ gefunden und fühlt sich durch die göttlichen Gebote gedrängt, den Galchinen zu vertrauen.
Das Buch ist spannend geschrieben, ohne zu sehr auf das Tempo zu drücken. Es gibt viele gute und originelle Ideen (z. B. die Schakrakeie – eine papageiähnliche Tierart und die mörderischen Spinnen, die die weitere Eroberung der Insel für die Siedler erschweren).
Was das Buch besonders macht ist unter anderem, dass es eine Vielzahl biblischer Bezüge im Buch zu entdecken gibt. Neben direkten Zitaten wird vor allem die Frage thematisiert, wie weit Feindesliebe gehen soll und Pathos und Handlungsweise des jungen Arrick erinnert stellenweise sehr stark an die biblischen Erzählungen über Propheten und Urväter. So wird das Buch zu mehr als nur zu guter Unterhaltung – und das allein wäre schon einen Blick wert gewesen. Insofern ein absolut würdiger Gewinner des C.S. Lewis-Preises, der ebenso ewige Wahrheiten mit interessant erzählen Geschichten zu verbinden wusste.
Leider kommt das Ende der Geschichte etwas plötzlich und man hätte dem Buch noch deutlich mehr Seiten gewünscht. Die hätten unter anderem dafür genutzt werden können, um der Beziehung zwischen Arrick und Murielle noch etwas mehr Tiefgang zu verpassen.

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