Sergej Lukianenko: Spektrum

Sergej Lukianenko hat bei mir von den „Wächter der Nacht“-Romanen her einen dicken Stein im Brett. Aber kann er auch außerhalb dieser Reihe brillieren?

Spektrum spielt in nicht weniger als sieben fiktiven Welten und einer Erde in der Zukunft. Außerirdische, die sich selbst „die Schließer“ nennen haben auf allen namhaften Planeten Stationen errichtet, um zwischen den Welten zu reisen. Einzige Voraussetzung ist, dass man eine gute Geschichte erzählen, kann um die Einsamkeit und Traurigkeit der Schließer zu vertreiben. Jeder, der mindestens einmal eine solche Reise angetreten hat, kann ab sofort „Touristisch“ sprechen und verstehen (eine Art Weltall-Esperanto).

Martin ist Russe und ein erfahrener Reisender, der als Detektiv sozusagen dienstlich viel unterwegs ist. Bei einem Suchauftrag nach einem Mädchen begegnet ihm eine seltsame Anomalie und nach und nach beginnt er an den Motiven der Schließer zu zweifeln.Zudem interessiert sich der Staatssicherheitsdienst nach jeder Rückkehr mehr für ihn.

So mancher Schriftsteller wäre überfordert sich genügend Einfälle für nur eine fremde Welt auszudenken, bei Lukianenko sind auch sieben kein Problem. Philosophisch und tiefgründig geht es zur Sache, an einigen Stellen auch mit einer Tiefe religiöser Symbolik, die man einem atheistisch erzogenen ehemaligen Sowjetbürger wohl am wenigsten erwarten würde. Spannend zu lesen und zum Nachdenken anregend. Hier eine kleine Leseprobe:

Martin lachte unfroh auf „Stimmt, du hast recht. Ein großer Teil der Menschheit würde hervorragend mit rein instinktivem Handeln zurande kommen. Ihr Verstand schlummert. IIch neheme an, bei den meisten humanoiden Zivilisation ist es nicht anders. Aber was folgt daraus?“
„Wozu braucht man den Verstand?“
„Als Mittel des Überlebens….“
„Wozu braucht man den Verstand?“ blaffte Pawlik…

Die erfundenen Welten sind für sich genommen jeweils kleine Kunstwerke mit einer ganz spezifischen Ausrichtung. Es macht Spaß sie zu entdecken, sich in die Denkweise der Bewohner hineinzudenken und Parallelen zu ziehen bzw. das Fehlen von Analogien zu bemerken. Auf jeden Fall eine Empfehlung.

„Spektrum“ gibt es als Taschenbuch.

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