Tom Kummer: BLOW UP

Ein Aufschrei ging 2000 nicht nur durch die deutschsprachige Presselandschaft. Tom Kummer, angesehener Starinterviewer, engagiert unter anderem vom Magazin der Süddeutschen Zeitung hatte – so kam heraus – einen Großteil seiner legendären Interviews frei erfunden. Das ging natürlich nicht für immer gut (obwohl es unglaublich ist, zu sehen, wie lange es „gut“ ging). Chefredakteure mussten ihren Hut nehmen und die Stimmung war mehr als gedrückt.

Offensichtlich ist dem realitätsresistenten „Konzeptjournalisten“ Kummer das Koks knapp geworden, denn er versucht mit dem Buch „Blow Up“ mit seiner Sicht der Geschichte noch mal Kasse zu machen. Offensichtlich wollte ihn kein großer Verlag (wen wunderts) so dass er bei „Blumenbar“ untergekommen ist.

Worum geht’s?

Der ebenso begnadete wie realitätsfremde Schreiber Tom Kummer aus ärmlicher Schweizer Herkunft schafft es als Blender zum Star-Interviewer mit ungenügendem Star-Kontakt für viele wichtige Zeitschriften und Zeitungen zu arbeiten, sehr viel Geld zu verdienen und einen Großteil davon auf dem gleichen Küchentisch, an dem er sich diese Interviews ausgedacht hat, in Form einer angeblich anregenden Heroin-Koks-Mischung durch die Nase zu ziehen. Zwischenzeitlich wähnt er sich als Vorreiter eines neuen Journalismus, der Interviews so schreibt, wie er selbst sie gerne lesen würde. Motto: Stars sind ohnehin Kunstfiguren, warum kann man sie dann nicht gleich so gestalten, dass sie sich auch in Printmedien besser verkaufen? Wäre ja kein Problem – wenn man seine Arbeitgeber und Leser offen darüber informieren würde. Als alles auffliegt, ist Herr Kummer traurig und beschliesst in einem exklusiven Club in L. A. als Tennistrainer zu arbeiten.

Worum geht’s leider nicht?

Um Reue. Immerhin hat Tom Kummer für eine große Krise in den deutschen Printmedien gesorgt, diverse Leute, die ihm vertraut haben die Karriere versaut und allgemein nicht gerade etwas für das Ansehen der Journalisten in Deutschland getan. Das alles ist ihm zwar bewusst, aber so egozentrisch wie sich seine Interviews hauptsächlich um seine eigenen Gedanken drehen, biegt er sich die Wirklichkeit so zurecht, wie er es gerne hätte und lässt keine Reue erkennen. Schade, denn so kann ich ihm nicht wirklich einen erfolgreichen Wiedereinstieg gönnen. Und auch schade, weil er wirklich gut schreiben kann und einen tollen Blick für Details und Stimmungen hat.

Immerhin: Ein neues Wort gelernt: „‚Konzeptjournalismus“.

Wer dem armen Tommy helfen will: „Blow up“ bei Amazon für 18,90 Euro.

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