Sep 23

Frank Schätzing: Limit

Frank Schätzing hat bei mir den Ruf des deutschen Dan Brown weg. Ihr Stil ist einfach sehr ähnlich, auch wenn die Themenfelder sich unterscheiden. Auf Limit habe ich länger gewartet, bis es endlich als Taschenbuch verfügbar war. Nachdem er mit „Der Schwarm“ einen sehr engagierten, gut lesbaren und thematisch interessanten Thriller abgeliefert hatte (den ich während der Deepwater Horizon Affäre gruseligerweise gerade zum zweiten mal las) war ich sehr gespannt auf „Limit“ das statt in der Tiefe des Ozeans in den Höhen des Alls spielt.

Umso enttäuschter war ich, als ich auf den ersten 300 Seiten mit viel zu vielen unnötigen Charakteren und deren letztlich irrelevanten Lebensgeschichten konfrontiert wurde. Vorsicht: Laber- und Langeweile-Alarm! Die wie immer gut recherschierten und anschaulich dargelegten Details über die Auswirkungen der Schwerelosigkeit und die Probleme der Raumfahrt konnten mich nicht so richtig fesseln. Besser wurde das Buch, als es auf die zweite Handlungsebene wechselte: Im modernen China lässt sich ein Hightech-Ermittler auf die Fährte einer Dissidentin ansetzen. Warum er zur Einführung und ohne weiteren Bezug zur sonstigen Handlung in der Hölle eines Kinderschänderrings ermitteln muss kann nur dramaturgischen Gründen geschuldet sein. Trotz dieses sinnlos-wiederlichen Einstands wuchs mir Jericho schnell ans Herz und seine Ausführungen über chinesische Kultur, die Wirtschaft Chinas und deren Auswirkungen auf den Rest der Welt erscheinen sowohl hoch spannend, als auch sehr interessant.

Leider hat Schätzing wohl an einigen Stellen zu sehr eine mögliche Verfilmung vor Augen – detailliert beschreibt er geradezu Drehbuchlike irrwitzige Actionszenen, die den erwachsenen Leser eigentlich eher langweilen, als Begeisterung hervor zu rufen.

Mein Fazit: Interessante Ansätze auf der zweiten Handlungsebene, aber insgesamt eher ein Buch, das man nicht die vollen 1293 Seiten lesen muss.

Limit gibt es als Taschenbuch.

Sep 18

Alexey Pehov: Die Chroniken von Siala 1-3 (Schattenwanderer/Schattenstürmer/Schattentänzer)

Die Triologie „Die Chroniken von Siala“ mit den Titeln Schattenwander, Schattenstürmer und Schattentänzer hat mir im Sommer etliche angenehme Lesestunden beschert. Geschrieben wurde diese einfallsreich geschriebene Fantasy-Miniserie von Alexey Pehov (Jahrgang 1978!). Mit einer guten Mischung aus genretypischen Bestandteilen (Kämpfe, Orks, Die-Welt-muss-gerettet-werden), Neuschöpfungen (Walder die Stimme-im-Kopf, Hrad Spine die Grabkammer der Völker, Diebes-Kontrakte), eigenen Schwerpunktsetzungen (Zauberei vs. Schamanismus, Gildentum) und Umdeutungen (Vampire mal anders) hat mich diese Reisebeschreibung in seinen Bann gezogen.
Erzählt aus der Ich-Perspektive des Meisterdiebes Garret wird dieser mehr oder weniger gezwungen eine selbstmörderische Rettungsaktion zu unternehmen. Ihm werden einige Mitstreiter zur Seite gestellt, die dem Leser während der Erzählung ans Herz wachsen und deren Eigenheiten und Geheimnisse im Laufe der Handlung ans Licht kommen. Das ganze findet in einem stark an Mittelerde erinnernden Setting statt, hält aber einige Besonderheiten bereit. Selbst eine philosphische Komponente fehlt nicht. Interessant fand ich, dass – entgegen dem allgemeinen Trend – keinerlei romantische Verwicklungen den Handlungsfluss stören.

Das Ende ist leider für meinen Geschmack etwas zu wenig pathetisch und fad, aber dafür stimmen die Details während der gesamten Lektüre. Hier hat nicht nur jemand eine Story abgeliefert, sondern sich ernsthaft Gedanken über eine ganze Welt gemacht. Sehr sympathisch. Auch an Humor mangelt es nicht.

Zum Lesevergnügen trug aber auch die tolle Übersetzung von Christiane Pöhlmann bei, die sich ja schon bei der Übersetzung der „Wächter der Nacht“-Bücher verdient gemacht hatte. Selbst die Wortspiele von Personen- und Ortsnamen scheinen durch und sorgen für ein gelungenes Gesamtbild.

Die Chroniken von Siala gibt es als Taschenbücher:
Schattenwanderer: Die Chroniken von Siala 1
Schattenstürmer: Die Chroniken von Siala 2
Schattentänzer: Die Chroniken von Siala 3

Jun 28

Peter Wiechmann (Autor), Rafael Méndez (Illustrator): Dietrich von Bern

Als bekennender Fan der Prinz Eisenherz Bände und ausgestattet mit trüben Kindheitserinnerungen zu der Sagenwelt von Dietrich von Bern habe mich freudig in das Leseabenteuer der bei Cross Cult erschienenen Hardcover Ausgabe gestürzt.

Schnell war klar: Die beiden Geschichten haben zwar das Genre gemeinsam, unterscheiden sich aber in Ausstattung, Anspruch und anvisiertem Leserkreis deutlich.
Sprachlich sind die Bände sehr gelungen. Sie schaffen es den Spagat zwischen stoffgerechter Sprache und verständlichem Deutsch ohne allzu schwulstigen Überhang zu realiseren. Die Zeichnungen sind für sich genommen sehr anmutig geraten, lassen aus meiner Sicht aber teilweise den Bezug zum Text vermissen und sind mir nicht eingängig genug. Die Details, die mit der Handlung zu tun haben, treten für meinen Geschmack zu oft hinter gemäldeartigen Klischeedarstellungen zurück. Immerhin sind die männlichen Figuren realistisch (und nicht überzogen muskelbepackt) dargestellt. Bei den weiblichen Figuren scheint dem Zeichner allerdings die Phantasie etwas durchgegangen zu sein.

Größtes Manko aus meiner Sicht ist allerdings die Handlungslinie, die allzu oft eine Dramaturgie vermissen lässt und vor allem am Ende einfach nicht abgeschlossen wurde. Da müssen dann etliche Textseiten das Ende der Geschichte erzählen – für mich unbefriedigend für eine abgeschlossene Ausgabe. Positiv hervorzuheben sind nach Kapiteln eingestreute mehrseitige Informationstexte, die nicht trocken, sondern oft etwas kauzig geraten sind, dafür aber manchmal die nötige Objektivität vermissen lassen.

Insgesamt eine verbesserungsfähige Ausgabe, die mich persönlich leider nicht vom Hocker gerissen hat, obwohl sie qualitativ absolut hochwertig ausgestattet ist. Der Preis ist im Vergleich zu anderen Graphic Novels dafür noch moderat zu nennen.

Alle drei Bände gibt es als schöne Hardcover-Ausgabe:
Dietrich von Bern 1: Ruhm
Dietrich von Bern 2: Verrat.
Dietrich von Bern 3: Rache

Jun 27

DRM von Ubisoft schiesst über das Ziel hinaus

Zweifellos haben Spielehersteller ein Recht darauf, ihre Software gegen unerlaubte Vervielfältigung zu schützen. Und wer etwas anderes behauptet, der hat sich selbst noch nie sein Gehalt durch Programmierung verdient. Soweit so gut. Dass es keinen unknackbaren Kopierschutz gibt und daher Kopien im Netz kursiren sei mal dahin gestellt. Aber was einem Käufer bei Ubisoft zugemutet wird, geht so weit am Ziel vorbei, dass die ehrlichen Käufer am Schluss die Dummen sind, weil sie das Spiel schneller und unkomplizierter illegal hätten spielen können als dies auf legalem Weg möglich ist.

Nehmen wir doch mal das Spiel „Die Siedler 7“ von Ubisoft (die in der Vergangenheit schon öfters durch sehr gängelnde Kopierschutzmaßnahmen auffällig wurden). Nach dem Kauf des Spieles im Laden musste ich mich folgendem Martyrim unterziehen:

1. Installation von DVD (ging relativ problemlos)
2. Der erste Aufruf des Spieles endet darin, dass ein „Update“ heruntergeladen werden muss. Schlappe Größe: 1,2 GB! Einfach so. Man fragt sich, wofür überhaupt eine ganze DVD installiert wurde und warum da nicht nur ein kleines Installer-Programm drauf war. Böse Zungen würden behaupten: Weil der Kopierschutz so viel Platz braucht. Leider startet das Spiel ohne das „Update“ gar nicht erst. Ich kann also trotz gekauftem Spiel nicht spielen. Nicht auszudenken, wenn ich auf Reisen wäre…
3. Das Herunterladen des Updates geht erschreckend langsam vor sich. Trotz 18.000 DSL-Anschluss sind mehr als 100 KB/s nicht drin. Überlastung am Server? Das ständige Hängenbleiben sorgt dafür, dass immer wieder neu der Download angestossen werden muss. Und mit immer wieder meine ich: Über einen Zeitraum von mehreren Stunden.
4. Ich entscheide mich nach drei Stunden, dass ich den Download über Nacht laufen lasse (schön die Energieoptionen einstellen, sonst hibernaten wir uns zu Tode), damit ich am nächsten Tag – endlich – spielen kann.
5. Am nächsten Morgen die böse Überraschung: Leider wieder abgebrochen. Also wieder anschmeissen und warten. Und wieder anschmeissen. Und warten. Und wieder… – ihr versteht was ich meine, oder?
6. Am Abend des zweiten Tages ist es dann soweit: Das „Update“ ist installiert. Das Spiel lässt sich starten. Doch was ist das: Ich muss mir ein bescheuertes Online-Profil anlegen, meine Mailadresse angeben, 10 Seiten Text behaupten durchgelesen zu haben, mehrere Kontrollkästchen deaktivieren (damit ich nicht in Werbemüll ertrinken muss) und dann…
7. Geht es auch „schon“ los.

Liebe Leute von Ubisoft: Wie lange wird es noch dauern, bis ihr versteht, dass Internetaktivierung eine Sache, die unnötige Gängelung des Kunden aber eine ganz andere ist. So macht ihr die Argumentation für Raubkopierer allzu einfach…

Jun 22

Erweiterungen bei www.wetterbestelldienst.de

Mein als Witz gestartetes Projekt www.wetterbestelldienst.de hat sich erschreckenderweise zum mit Abstand „erfolgreichsten“ Projekt entwickelt. Zumindest nähern wir uns der 10.000sten Bestellung, die eine echte Person dort aufgegeben hat.

Ein paar Erweiterungen habe ich daher in letzter Zeit vorgenommen:
– Man kann jetzt bei jeder Bestellung einen Grund angeben (vom „Schäferstündchen“ bis zur „Hochzeit“). Natürlich wird darüber auch eine öffentliche Statistik geführt.
– Bei den Statistiken werden jetzt die 20 am meisten mit Bestellungen versehenen Orte angezeigt
– Einbau eines Facebook „Gefällt mir“-Buttons. Soll ja Leute geben, die das mögen. Ich filtere ihn immer brav über Ghostery raus…
– Ein paar rührende Dankes-Mails von Benutzern wurden in der Feedback-Seite eingebaut.
– Vielleicht ist der „Service“ ja jemandem tatsächlich etwas wert? Zumindest gibt es jetzt die Möglichkeit über PayPal für die Seite zu spenden. Ich bin gespannt, ob das jemand nutzt
– Die vielleicht größte Neuerung: Zu jeder Bestellung kann man sich eine Urkunde ausstellen lassen (als PDF). Auf Wunsch auch mit einer individuellen Widmung. Das hatte ich mir schon lange vorgenommen. Zumal die meisten Bestellungen sich auf Hochzeiten beziehen und sich das dann natürlich als Geschenk gut macht. Werde ich vielleicht sogar selbst einmal nutzen…

Klar gibt es (fast nur) sinnvollere Möglichkeiten seine Zeit totzuschlagen, aber ich habe jetzt wieder eine ganze Menge gelernt, hab selbst Spaß beim Programmieren gehabt und offensichtlich gibt es eine Menge Leute, die die Seite lustig finden. Klingt gut für mich.

Noch eine lustige Bemerkung am Rande:
Nachdem ich ein kleines Spam-Problem bei den Kommentaren hatte, habe ich dort eine lächerliche, aber eben auch lächerlich erfolgreiche Anti-Spam-Maßnahme eingebaut – die Eingabe der Zahl 42 (wie ich nur auf die kam…) dient als Dauer-„Captcha“ für das Schreiben von Kommentaren. Klingt blöd, funktioniert aber.

Das alles und mehr natürlich unter

Mai 29

Moviekritik zu Ohne Limit online

Ist schon ne Weile her, dass mir ein Film so gut gefallen hat wie „Ohne Limit„. Nicht, dass der Film perfekt wäre, aber trotzdem sehr gut gemacht.
Die Grundidee ist die, dass über eine neue experimentelle Droge voller Zugriff auf alle Erinnerungen des Gehirns möglich wird und was das für Personen die sich diese Droge leisten können in der Praxis bedeutet. Ein spannender Trip, auch wenn die Ideen der gepimpten Hirne sich größtenteils leider kaum von denen normaler Menschen unterscheiden – dafür aber eben schneller und effektiver erreicht werden.

Man müsste mit der gleichen Ausgangslage praktisch noch einen zweiten Film drehen: Was wäre, wenn jemand diese Fähigkeiten nicht dafür nutzt um in drei Tagen ein geniales Buch zu schreiben, sondern ein paar der echten Probleme der Menschheit zu lösen. Das wäre noch spannender. Da würde ich diese Form des Gerhindoping sogar unterstützen 😉

Apr 28

Partition C vergrößern – manchmal ist einfacher besser

Da meine C-Partition leider immer weniger freien Platz aufwies (und mein System dadurch keineswegs schneller wurde) sah ich mich genötigt die Partition C zu vergrößern. Gestählt von bösen Erfahrungen von Windows 3.1 bis Windows XP kramte ich das seinerzeit für 40 Euro erworbene „Acronis Disc Director 10“ raus. Nach einem dreistündigen Komplettbackup, diversen Restarts, Boots von der Acronis CD und noch einmal ca. eineinhalb Stunden später hatte ich ein System, dass ich nicht mehr starten, aber zum Glück wiederherstellen konnte.
Nach ein wenig Recherche stieß ich dann auf eine verblüffend einfache Lösung: Windows 7 kann das ganze mit Bordmitteln problemlos erledigen. Ein paar Klicks unter Systemsteuerung->System und Sicherheit->Verwaltung->Computerverwaltung (diesen Klick als Admin ausführen!)->Datenträgerverwaltung später (Gesamtdauer unter 2 Minuten) und ich hatte meine C-Partition ohne jeglichen Neustart verdoppelt.

Manchmal kann das Leben so einfach sein und es soll bloß niemand sagen, dass immer alles schlechter wird.

Apr 28

Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg

Dass dieses Buch es bei mir schwer haben würde war klar: Ein Komiker schreibt ein Buch über eine Pilgerreise, tritt damit eine deutschlandweite Jakobsweg-Welle los (wie zuvor Shirley McLane für England und Paulo Coelho für den portugiesischen Sprachraum) und verdient sich durch Talkshows tingelnd eine rotgoldene Nase damit. Durch einen glücklichen Zufall fiel mir eine schöne gebundene Ausgabe zu und ich habe mir – 10 Jahre nach dem Boom – die in leicht verdaulichen Happen verpackte Lektüre in den letzten zwei Wochen angetan.

Was man dem Buch sicherlich zugute halten muss: es kommt durch und durch authentisch rüber. Der Leser erfährt viel über die Ansichten des sonst eher schrill auftretenden Comedians und auch einiges über seine Lebensgeschichte. Das alles allerdings verpackt in eine unglaubliche Ansammlung von Banalitäten und Belanglosigkeiten gepaart mit ein paar aus den Fingern gesaugten spirituell klingenden Vokabeln. Man soll sich natürlich nicht über die Gefühlswelt und die Glaubenswelt anderer echauffieren – allerdings hat es schon etwas bizarres, wenn auf dem Jakobsweg pilgernd die Vorzüge des Buddhismus breit getreten, von der Teilnahme an einem Reinkarnationsseminar erzählt und am Schluß zu resümieren:

„Und wenn ich es Revue passieren lasse, hat Gott mich auf dem Weg andauernd in die Luft geworfen und wieder aufgefangen. Wir sind uns jeden Tag begegnet.“

Dazwischen geht’s um nervige und freundliche Mitpilgerinnen, den Gestank nach Kuhdung und die Aussicht auf dem Weg. Klingt komisch und ist es auch. Auch stilistisch wurde zwischen den persönlichen Aufzeichnungen (wo alles erlaubt ist) und der Veröffentlichung anscheinend nicht viel Hand angelegt.

Ich kann den Boom um das Buch überhaupt nicht nachvollziehen. Als persönliches Reisedokument sicher eine schöne Erinnerung für Hape – als Quelle spiritueller Inspiration eine absolute Nullnummer.

„Ich bin dann mal weg“ gibt es als Taschenbuch, Gebundene Ausgabe und als Hörbuch.

Apr 07

Drei Moviekritiken online

Eigentlich hatte ich nach dem Besuch der Filme gar keine rechte Lust eine Kritik zu verfassen. Jetzt habe ich es doch getan.
Am schlechtesten weg kam eindeutig der heute offiziell angelaufen „The Mechanic“ – eine Mischung aus ästhetischem Männergesicht in Großaufnahme und einer umfangreichen Sammlung ziemlich widerlicher Tötungsarten.
The King’s Speech“ ist aus meiner Sicht zwar solides Handwerk mit sympathischen Hauptdarstellern – aber den Oscarreigen hat er sicher nicht verdient.
Der schwierigste Teil wurde mir glücklicherweise abgenommen – eine Gastautorin hat die Kritik zu „Black Swan“ verfasst. Gut so, denn ich war hin- und hergerissen. Natalie Portman hat (wie meistens) einfach sehr, sehr gut gespielt. Aber der Film selbst hat mich einfach nur geärgert und mir die Stimmung für einen ganzen Abend versaut.Gut, dass ich mich jetzt nicht damit herumschlagen musste, wie ich diese beiden Wiedersprüche in eine faire Kritik umsetze.

Feb 19

Lothar-Günther Buchheim: Das Boot

Der Film von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1981 hat mich schon länger fasziniert – vor allem nachdem er 1997 als Director’s Cut in die Kinos kam. Als mir durch Zufall das zugrunde liegende Buch in die Hände fiel, habe ich mich natürlich gleich an die Lektüre gemacht.

Anders als im Film, spielt im Buch der Kriegsberichtserstatter selbst die Hauptrolle. Alles wird aus seiner Perspektive geschildert. Aufgrund seiner Rolle hat er Zugang zu den Aufenthaltsorten (und Gedanken) aller Dienstgrade, ohne eigene Karten im Spiel zu haben und kann sich somit das umfassendste Bild von den Geschehnissen an und über Bord machen. Mit einem hohen Maß an Selbstreflexion und Erfahrung kann er als relativ neutraler Beobachter auftreten und schildert seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen.

Durch das Buch erhält man einen noch viel besseren Einblick in das Leben an Bord, das neben dem Fieber der Jagd vor allem auch aus viel Routine, Vorbereitung („Alarmtauchen“) und gähnender Langeweile und Warten besteht. Die Gespräche der einzelnen Charaktere sind der Schlüssel zu ihrem jeweiligen Weltverständnis. Im Mikrokosmos des Stahlsargs kommt dem Kommandanten eine quasi gottgleiche Rolle zu. Während der Flucht vor feindlichen Booten werden existentielle Ängste nicht nur erwähnt sondern nachfühlbar dargestellt. Wenn die Luft im Boot knapp wird und sich die Außenhäute bei Überschreitung der werkseitig zugelassenen Tiefe knarzend zusammenziehen und die ersten Nieten abspringen, fühlt man als Leser intensiv mit. Seltsam, dass ein Buch so nahegehend sein kann ohne einer echten Dramaturgie zu folgen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass man weiß, dass sich solche Schicksale zu Tausenden zugetragen haben und die technische Überlegenheit des Gegners zunehmend für schwierigere Überlebensbedingungen sorgte. Was mich etwas wundert ist, dass die Hintergründe des Krieges und dessen (Un)rechtmäßigkeit kaum thematisiert werden. Es wird zwar ausgiebig über die unfähige Führung gelästert, aber wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass man sich hier Hunderte Meter unter Wasser als Jäger und Gejagter instrumentalisieren lässt ist überraschend wenig Thema.

Für mich ist „Das Boot“ ein zeitloses Buch und auf jeden Fall eine Empfehlung.
Das Boot gibt es als Taschenbuch und als Hörspiel.
Vom Film sollte man zwischen dem Director’s Cut der Kinofassung und der (längeren) TV-Fassung unterscheiden.