Jun 27

DRM von Ubisoft schiesst über das Ziel hinaus

Zweifellos haben Spielehersteller ein Recht darauf, ihre Software gegen unerlaubte Vervielfältigung zu schützen. Und wer etwas anderes behauptet, der hat sich selbst noch nie sein Gehalt durch Programmierung verdient. Soweit so gut. Dass es keinen unknackbaren Kopierschutz gibt und daher Kopien im Netz kursiren sei mal dahin gestellt. Aber was einem Käufer bei Ubisoft zugemutet wird, geht so weit am Ziel vorbei, dass die ehrlichen Käufer am Schluss die Dummen sind, weil sie das Spiel schneller und unkomplizierter illegal hätten spielen können als dies auf legalem Weg möglich ist.

Nehmen wir doch mal das Spiel „Die Siedler 7“ von Ubisoft (die in der Vergangenheit schon öfters durch sehr gängelnde Kopierschutzmaßnahmen auffällig wurden). Nach dem Kauf des Spieles im Laden musste ich mich folgendem Martyrim unterziehen:

1. Installation von DVD (ging relativ problemlos)
2. Der erste Aufruf des Spieles endet darin, dass ein „Update“ heruntergeladen werden muss. Schlappe Größe: 1,2 GB! Einfach so. Man fragt sich, wofür überhaupt eine ganze DVD installiert wurde und warum da nicht nur ein kleines Installer-Programm drauf war. Böse Zungen würden behaupten: Weil der Kopierschutz so viel Platz braucht. Leider startet das Spiel ohne das „Update“ gar nicht erst. Ich kann also trotz gekauftem Spiel nicht spielen. Nicht auszudenken, wenn ich auf Reisen wäre…
3. Das Herunterladen des Updates geht erschreckend langsam vor sich. Trotz 18.000 DSL-Anschluss sind mehr als 100 KB/s nicht drin. Überlastung am Server? Das ständige Hängenbleiben sorgt dafür, dass immer wieder neu der Download angestossen werden muss. Und mit immer wieder meine ich: Über einen Zeitraum von mehreren Stunden.
4. Ich entscheide mich nach drei Stunden, dass ich den Download über Nacht laufen lasse (schön die Energieoptionen einstellen, sonst hibernaten wir uns zu Tode), damit ich am nächsten Tag – endlich – spielen kann.
5. Am nächsten Morgen die böse Überraschung: Leider wieder abgebrochen. Also wieder anschmeissen und warten. Und wieder anschmeissen. Und warten. Und wieder… – ihr versteht was ich meine, oder?
6. Am Abend des zweiten Tages ist es dann soweit: Das „Update“ ist installiert. Das Spiel lässt sich starten. Doch was ist das: Ich muss mir ein bescheuertes Online-Profil anlegen, meine Mailadresse angeben, 10 Seiten Text behaupten durchgelesen zu haben, mehrere Kontrollkästchen deaktivieren (damit ich nicht in Werbemüll ertrinken muss) und dann…
7. Geht es auch „schon“ los.

Liebe Leute von Ubisoft: Wie lange wird es noch dauern, bis ihr versteht, dass Internetaktivierung eine Sache, die unnötige Gängelung des Kunden aber eine ganz andere ist. So macht ihr die Argumentation für Raubkopierer allzu einfach…

Jun 22

Erweiterungen bei www.wetterbestelldienst.de

Mein als Witz gestartetes Projekt www.wetterbestelldienst.de hat sich erschreckenderweise zum mit Abstand „erfolgreichsten“ Projekt entwickelt. Zumindest nähern wir uns der 10.000sten Bestellung, die eine echte Person dort aufgegeben hat.

Ein paar Erweiterungen habe ich daher in letzter Zeit vorgenommen:
– Man kann jetzt bei jeder Bestellung einen Grund angeben (vom „Schäferstündchen“ bis zur „Hochzeit“). Natürlich wird darüber auch eine öffentliche Statistik geführt.
– Bei den Statistiken werden jetzt die 20 am meisten mit Bestellungen versehenen Orte angezeigt
– Einbau eines Facebook „Gefällt mir“-Buttons. Soll ja Leute geben, die das mögen. Ich filtere ihn immer brav über Ghostery raus…
– Ein paar rührende Dankes-Mails von Benutzern wurden in der Feedback-Seite eingebaut.
– Vielleicht ist der „Service“ ja jemandem tatsächlich etwas wert? Zumindest gibt es jetzt die Möglichkeit über PayPal für die Seite zu spenden. Ich bin gespannt, ob das jemand nutzt
– Die vielleicht größte Neuerung: Zu jeder Bestellung kann man sich eine Urkunde ausstellen lassen (als PDF). Auf Wunsch auch mit einer individuellen Widmung. Das hatte ich mir schon lange vorgenommen. Zumal die meisten Bestellungen sich auf Hochzeiten beziehen und sich das dann natürlich als Geschenk gut macht. Werde ich vielleicht sogar selbst einmal nutzen…

Klar gibt es (fast nur) sinnvollere Möglichkeiten seine Zeit totzuschlagen, aber ich habe jetzt wieder eine ganze Menge gelernt, hab selbst Spaß beim Programmieren gehabt und offensichtlich gibt es eine Menge Leute, die die Seite lustig finden. Klingt gut für mich.

Noch eine lustige Bemerkung am Rande:
Nachdem ich ein kleines Spam-Problem bei den Kommentaren hatte, habe ich dort eine lächerliche, aber eben auch lächerlich erfolgreiche Anti-Spam-Maßnahme eingebaut – die Eingabe der Zahl 42 (wie ich nur auf die kam…) dient als Dauer-„Captcha“ für das Schreiben von Kommentaren. Klingt blöd, funktioniert aber.

Das alles und mehr natürlich unter

Mai 29

Moviekritik zu Ohne Limit online

Ist schon ne Weile her, dass mir ein Film so gut gefallen hat wie „Ohne Limit„. Nicht, dass der Film perfekt wäre, aber trotzdem sehr gut gemacht.
Die Grundidee ist die, dass über eine neue experimentelle Droge voller Zugriff auf alle Erinnerungen des Gehirns möglich wird und was das für Personen die sich diese Droge leisten können in der Praxis bedeutet. Ein spannender Trip, auch wenn die Ideen der gepimpten Hirne sich größtenteils leider kaum von denen normaler Menschen unterscheiden – dafür aber eben schneller und effektiver erreicht werden.

Man müsste mit der gleichen Ausgangslage praktisch noch einen zweiten Film drehen: Was wäre, wenn jemand diese Fähigkeiten nicht dafür nutzt um in drei Tagen ein geniales Buch zu schreiben, sondern ein paar der echten Probleme der Menschheit zu lösen. Das wäre noch spannender. Da würde ich diese Form des Gerhindoping sogar unterstützen 😉

Apr 28

Partition C vergrößern – manchmal ist einfacher besser

Da meine C-Partition leider immer weniger freien Platz aufwies (und mein System dadurch keineswegs schneller wurde) sah ich mich genötigt die Partition C zu vergrößern. Gestählt von bösen Erfahrungen von Windows 3.1 bis Windows XP kramte ich das seinerzeit für 40 Euro erworbene „Acronis Disc Director 10“ raus. Nach einem dreistündigen Komplettbackup, diversen Restarts, Boots von der Acronis CD und noch einmal ca. eineinhalb Stunden später hatte ich ein System, dass ich nicht mehr starten, aber zum Glück wiederherstellen konnte.
Nach ein wenig Recherche stieß ich dann auf eine verblüffend einfache Lösung: Windows 7 kann das ganze mit Bordmitteln problemlos erledigen. Ein paar Klicks unter Systemsteuerung->System und Sicherheit->Verwaltung->Computerverwaltung (diesen Klick als Admin ausführen!)->Datenträgerverwaltung später (Gesamtdauer unter 2 Minuten) und ich hatte meine C-Partition ohne jeglichen Neustart verdoppelt.

Manchmal kann das Leben so einfach sein und es soll bloß niemand sagen, dass immer alles schlechter wird.

Apr 28

Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg

Dass dieses Buch es bei mir schwer haben würde war klar: Ein Komiker schreibt ein Buch über eine Pilgerreise, tritt damit eine deutschlandweite Jakobsweg-Welle los (wie zuvor Shirley McLane für England und Paulo Coelho für den portugiesischen Sprachraum) und verdient sich durch Talkshows tingelnd eine rotgoldene Nase damit. Durch einen glücklichen Zufall fiel mir eine schöne gebundene Ausgabe zu und ich habe mir – 10 Jahre nach dem Boom – die in leicht verdaulichen Happen verpackte Lektüre in den letzten zwei Wochen angetan.

Was man dem Buch sicherlich zugute halten muss: es kommt durch und durch authentisch rüber. Der Leser erfährt viel über die Ansichten des sonst eher schrill auftretenden Comedians und auch einiges über seine Lebensgeschichte. Das alles allerdings verpackt in eine unglaubliche Ansammlung von Banalitäten und Belanglosigkeiten gepaart mit ein paar aus den Fingern gesaugten spirituell klingenden Vokabeln. Man soll sich natürlich nicht über die Gefühlswelt und die Glaubenswelt anderer echauffieren – allerdings hat es schon etwas bizarres, wenn auf dem Jakobsweg pilgernd die Vorzüge des Buddhismus breit getreten, von der Teilnahme an einem Reinkarnationsseminar erzählt und am Schluß zu resümieren:

„Und wenn ich es Revue passieren lasse, hat Gott mich auf dem Weg andauernd in die Luft geworfen und wieder aufgefangen. Wir sind uns jeden Tag begegnet.“

Dazwischen geht’s um nervige und freundliche Mitpilgerinnen, den Gestank nach Kuhdung und die Aussicht auf dem Weg. Klingt komisch und ist es auch. Auch stilistisch wurde zwischen den persönlichen Aufzeichnungen (wo alles erlaubt ist) und der Veröffentlichung anscheinend nicht viel Hand angelegt.

Ich kann den Boom um das Buch überhaupt nicht nachvollziehen. Als persönliches Reisedokument sicher eine schöne Erinnerung für Hape – als Quelle spiritueller Inspiration eine absolute Nullnummer.

„Ich bin dann mal weg“ gibt es als Taschenbuch, Gebundene Ausgabe und als Hörbuch.

Apr 07

Drei Moviekritiken online

Eigentlich hatte ich nach dem Besuch der Filme gar keine rechte Lust eine Kritik zu verfassen. Jetzt habe ich es doch getan.
Am schlechtesten weg kam eindeutig der heute offiziell angelaufen „The Mechanic“ – eine Mischung aus ästhetischem Männergesicht in Großaufnahme und einer umfangreichen Sammlung ziemlich widerlicher Tötungsarten.
The King’s Speech“ ist aus meiner Sicht zwar solides Handwerk mit sympathischen Hauptdarstellern – aber den Oscarreigen hat er sicher nicht verdient.
Der schwierigste Teil wurde mir glücklicherweise abgenommen – eine Gastautorin hat die Kritik zu „Black Swan“ verfasst. Gut so, denn ich war hin- und hergerissen. Natalie Portman hat (wie meistens) einfach sehr, sehr gut gespielt. Aber der Film selbst hat mich einfach nur geärgert und mir die Stimmung für einen ganzen Abend versaut.Gut, dass ich mich jetzt nicht damit herumschlagen musste, wie ich diese beiden Wiedersprüche in eine faire Kritik umsetze.

Feb 19

Lothar-Günther Buchheim: Das Boot

Der Film von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1981 hat mich schon länger fasziniert – vor allem nachdem er 1997 als Director’s Cut in die Kinos kam. Als mir durch Zufall das zugrunde liegende Buch in die Hände fiel, habe ich mich natürlich gleich an die Lektüre gemacht.

Anders als im Film, spielt im Buch der Kriegsberichtserstatter selbst die Hauptrolle. Alles wird aus seiner Perspektive geschildert. Aufgrund seiner Rolle hat er Zugang zu den Aufenthaltsorten (und Gedanken) aller Dienstgrade, ohne eigene Karten im Spiel zu haben und kann sich somit das umfassendste Bild von den Geschehnissen an und über Bord machen. Mit einem hohen Maß an Selbstreflexion und Erfahrung kann er als relativ neutraler Beobachter auftreten und schildert seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen.

Durch das Buch erhält man einen noch viel besseren Einblick in das Leben an Bord, das neben dem Fieber der Jagd vor allem auch aus viel Routine, Vorbereitung („Alarmtauchen“) und gähnender Langeweile und Warten besteht. Die Gespräche der einzelnen Charaktere sind der Schlüssel zu ihrem jeweiligen Weltverständnis. Im Mikrokosmos des Stahlsargs kommt dem Kommandanten eine quasi gottgleiche Rolle zu. Während der Flucht vor feindlichen Booten werden existentielle Ängste nicht nur erwähnt sondern nachfühlbar dargestellt. Wenn die Luft im Boot knapp wird und sich die Außenhäute bei Überschreitung der werkseitig zugelassenen Tiefe knarzend zusammenziehen und die ersten Nieten abspringen, fühlt man als Leser intensiv mit. Seltsam, dass ein Buch so nahegehend sein kann ohne einer echten Dramaturgie zu folgen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass man weiß, dass sich solche Schicksale zu Tausenden zugetragen haben und die technische Überlegenheit des Gegners zunehmend für schwierigere Überlebensbedingungen sorgte. Was mich etwas wundert ist, dass die Hintergründe des Krieges und dessen (Un)rechtmäßigkeit kaum thematisiert werden. Es wird zwar ausgiebig über die unfähige Führung gelästert, aber wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass man sich hier Hunderte Meter unter Wasser als Jäger und Gejagter instrumentalisieren lässt ist überraschend wenig Thema.

Für mich ist „Das Boot“ ein zeitloses Buch und auf jeden Fall eine Empfehlung.
Das Boot gibt es als Taschenbuch und als Hörspiel.
Vom Film sollte man zwischen dem Director’s Cut der Kinofassung und der (längeren) TV-Fassung unterscheiden.

Jan 26

Mitten drin im Desaster

Wie sich eine Katastrophe wie das Erdbeben von Haiti für die Betroffenen anfühlt, kann man sich kaum vorstellen. Doch jetzt gibt es eine Möglichkeit, sich dem ganzen in Form eines Online-„Spieles“ zu nähern. Als Überlebender, Helfer oder Journalist wird man ins Geschehen geworfen und fühlt sich dank gut gemachter Videos mittendrin. Immer wieder bekommt die Möglichkeit zu entscheiden, was man tun möchte – was natürlich wieder Folgen hat. Es geht nicht darum zu gewinnen oder seinen Charakter hochzuleveln, sondern um Information, Empathie und Verständnis. Ein spannendes Konzept, das meiner Meinung nach sehr gut aufgeht:

http://www.insidedisaster.com

Dez 01

Moviekritik zu Fair Game online

Ein Agententhriller nach einer wahren Begebenheit (an die ich mich sogar noch aus der Zeitung erinnern kann) – das klingt doch schon mal nicht schlecht. Aber leider schafft es das Drehbuch mit einer unausgegorenen Gratwanderung zwischen Patriotismus und Schmollecke überhaupt nicht mich zu begeistern. Mehr unter www.moviekritik.de

Nov 02

Moviekritik zu Wall Street 2 Geld schläft nicht online

Die Realität hat Oliver Stone eigentlich eine richtige Steilvorlage für eine zünftige Kapitalismuskritik geliefert. Trotzdem schafft er es mit Wall Street 2 so unglaubwürdig zu drehen, dass man es kaum erträgt: Ein schnöseliger Wall Street Fuzzi, der seiner Mutter ständig Schecks über Summen ausstellt, für die normale Menschen mehrere Jahre arbeiten müssen lacht sich eine niedlich-naive Webseitendesignerin für eine angeblich „linke“ Webseite (deren ungezählte Top-gestylte Mitarbeiterinnen in schicken Büros rumhängen und so tun, als wollten sie mit Texten die Welt verändern und nicht etwa Buße für ihren von den stinkreichen Eltern geerbten Lebensstil tun) an. Und das schlimme ist: Das sollen die guten Charaktere in diesem Film sein…

Ein wirklich enttäuschender Filmbesuch und das wird einem umso mehr bewusst, je länger man darüber nachdenkt.

Mehr dazu unter www.moviekritik.de.